Von Pleite bis Chance

Berlin/München (dapd). Die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland machen deutschen Ökonomen Sorgen. Die Meinungen über mögliche Auswirkungen gehen dabei aber auseinander. An der Börsen reagierten Anleger zunächst mit Aktienverkäufen. Bis zum Montagabend erholten sich die Kurse aber wieder: Der Leitindex DAX schloss leicht im Plus, nachdem er am Morgen mehr als zwei Prozent verloren hatte.

In Griechenland stehe die Handlungsfähigkeit des Landes auf dem Spiel, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, der Nachrichtenagentur dapd. Falls sich keine Regierung bilde, die am Euro und dem Sparkurs festhalte, drohe eine Insolvenz.

Sollte Griechenland zur Drachme zurückkehren, hätte das fatale Folgen, sagte Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, der dapd. Die „neue“ Drachme würde stark abgewertet werden. Importe verteuerten sich massiv. „Das würde die griechische Wirtschaft nur noch näher an den Zusammenbruch bringen.“

Für den Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, kann die künftige Regierung in Athen nur „zwischen Pest und Cholera“ wählen. Entweder beschließe Athen den Ausstieg aus der Eurozone, oder das Land unterstelle sich einer stärkeren Kontrolle der Europäischen Union, sagte Straubhaar im Gespräch mit dapd.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn würde im Gegensatz zu seinen Kollegen einen Kurswechsel Athens begrüßen. Nur durch einen Austritt aus der Eurozone und eine Abwertung der Drachme ließen sich die Arbeitsplätze schaffen, die Griechenland so dringend benötigt.

Beim Wahlsieg des französischen Sozialisten François Hollande scheiden sich ebenfalls die Geister. „Mit dem Slogan ‚Wachsen statt sparen‘ werden die Bürger für dumm verkauft“, kritisierte Ifo-Chef Sinn im Gespräch mit dapd. „Denn nur wer spart, kann wachsen. Wer nicht spart und sein Einkommen konsumiert, dem fehlt das Geld für die Investitionen, die allein das Wachstum bringen können.“

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, rechnet mit einem erschwerten Kampf gegen die Schuldenkrise. Hollande ignoriere die eigentlichen Probleme seines Landes und lehne den europäischen Stabilitätspakt innerlich ab, sagte er der Nachrichtenagentur.

Straubhaar sieht dagegen in der Wahl Hollandes große Chancen für Frankreich. Als Sozialist könne dieser – ähnlich wie der frühere Bundeskanzler und Sozialdemokrat Gerhard Schröder in Deutschland – nötige Sozialreformen besser umsetzen, als es ein konservativer Präsident hätte machen können.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erhofft sich von Hollande neue Akzente für Wachstumsinitiativen. Diese Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich habe sich als stabil und erfolgreich erwiesen, sagte Stefan Mair, Mitglied der BDI- Hauptgeschäftsführung, in Berlin.

Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer, sieht auch nach den Umbrüchen in Frankreich und Athen den Euro als „zuverlässige und stabile Währung“ an. Paris werde auch unter dem neuen Präsidenten Hollande gemeinsam mit Berlin eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Schuldenkrise spielen, erklärte Kemmer.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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