Volksbank Halle wächst trotz Niedrigzins und Baubelastung

Umfangreiche Baumaßnahmen, niedrige Zinsen und ein von hoher Dynamik und wachsender Regulatorik gekennzeichnetes Wettbewerbsumfeld haben das Geschäftsjahr 2015 der Volksbank Halle/Westf. eG geprägt. Dank überdurchschnittlicher Wachstumsraten im Kredit- und Wertpapiergeschäft und einem erfolgreichen Provisionsgeschäft zeigen sich die Vorstände Rainer Peters und Harald Herkströter angesichts vieler gemeisterter Herausforderungen zufrieden: „Die Volksbank Halle hat ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt und ist nach den getätigten Investitionen fit für die Zukunft.“

Das betreute Kundenvolumen stieg um 5,6 Prozent auf 923 Mio. Euro an. Die Bilanzsumme der Volksbank Halle erhöhte sich in 2015 um 12,6 Mio. Euro oder 2,9 Prozent auf 452,6 Mio. Euro. Der vorläufige Bilanzgewinn liegt leicht unter Vorjahresniveau bei rund 1 Mio. Euro. Der Zinsüberschuss im abgelaufenen Geschäftsjahr beläuft sich auf 11,5 Mio. Euro (Vorjahr 10,0 Mio. Euro). Mit dem Provisionsgeschäft wurde ein Überschuss von 3,9 Mio. Euro erzielt (Vorjahr 3,2 Mio. Euro).

Überdurchschnittlich erfolgreich im Kreditgeschäft

Freude bereitet den Volksbankern weiterhin das Kreditgeschäft sowohl mit Privatkunden als auch mit Firmenkunden, die die niedrigen Zinsen für Investitionen und Konsum genutzt haben. „Dank unserer starken Vertriebsmannschaft bleiben wir beim Kreditwachstum auf der Überholspur“, sagt Vorstand Harald Herkströter. Der Bestand an Kundenkrediten legte verglichen mit dem Vorjahr um 6,7 Prozent auf 296 Mio. Euro zu. Damit liegt die Volksbank Halle weit über dem Branchendurchschnitt aller Banken (+2,7 Prozent). Auch im bundesweiten Vergleich der Volksbanken Raiffeisenbanken (+4,5 Prozent) ragt das Haller Ergebnis heraus.

Zusätzlich konnte die Volksbank erstmals mehr als 30 Mio. Euro an ihre genossenschaftlichen Verbundunternehmen vermitteln (+12 Prozent). In Summe wurden 2030 neue Kredite in Höhe von 103,5 Mio. Euro neu bewilligt. Davon entfielen auf den Privatkundenbereich ca. 71 Mio. Euro. Treibende Kraft blieb der Wohnungsbau. Herkströter: „Baufinanzierungen waren auch dank der Neubaugebiete in unserer Region besonders gefragt. Hier konnten wir mit unserer ganzheitlichen genossenschaftlichen Beratung punkten und viele neue Kunden gewinnen.“

Firmenkunden und Landwirte nutzen Fördermittel

Von einer weiterhin erfreulichen Investitionsbereitschaft war auch das Firmenkundengeschäft der Volksbank Halle geprägt. Hier wurden neue Kredite in Höhe von rund 27 Mio. Euro vergeben. „Gefragt waren vor allem gewerbliche und wohnwirtschaftliche Immobilienfinanzierungen in Halle mit langen Zinsbindungen bis zu 30 Jahren“, so Jörn Treichel, Prokurist und Leiter der Firmenkundenberatung. Ein unverändert starker Partner bleibt die Volksbank Halle bei der Einbindung von Förderkrediten, die angesichts guter Konjunktur und niedriger Zinsen gefragt waren. Insgesamt wurden Fördermittel mit einem Volumen von 16,8 Mio. Euro beantragt, was gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 12,5 Prozent bedeutet. Treichel: „Unsere Firmenkunden wurden vor allem bei der Investition in Immobilien begleitet. Unsere Landwirte haben aufgrund schlechter Marktpreise weniger investiert, dafür umso mehr Liquiditätshilfedarlehen zur Beantragung von Tilgungszuschüssen in Anspruch genommen. Das Volumen der Förderkredite für landwirtschaftliche Betriebe stieg so um 52 Prozent.“ Zudem hat die Volksbank Halle im abgelaufenen Geschäftsjahr sieben Vollexistenzgründungen begleitet. Das Volumen der hierfür vermittelten Förderkredite stieg um 28 Prozent.

Langfristige Kundeneinlagen wenig gefragt

Weil die anhaltende Niedrigzinsphase Sparern nur wenige Anreize zur langfristigen Geldanlage bietet, verzeichnet die Volksbank Halle auf der Einlagenseite (326,1 Mio. Euro / Vorjahr 326,9 Mio. EUR) ein Nullwachstum. „Wenn überhaupt, legen die Kunden ihr Geld in kurzfristige Sichteinlagen an, während Termineinlagen bei der aktuellen Verzinsung kaum gefragt sind“, so Harald Herkströter. Betroffen von dieser Entwicklung sind auch die an die Verbundpartnerin R+V Versicherung vermittelten Lebensversicherungen, deren Volumen um 41 Prozent auf 4,6 Mio. Euro zurückging. Die Vermittlung von Bausparverträgen zum Verbundunternehmen Bausparkasse Schwäbisch Hall nahm um 8,5 Prozent zu. Insgesamt wurden Verträge im Wert von 21,3 Mio. Euro vermittelt.

Kunden begeistern sich für das Wertpapiergeschäft

Das Wertpapiergeschäft findet angesichts niedriger Zinsen hingegen immer mehr Anhänger. Die Zahl der Kunden mit einem Depot bzw. Fondssparplan ist erneut stark gewachsen. Im Jahr 2015 erhöhten die Kunden ihre Wertpapieranlagen um weitere 6,1 Mio. Euro auf mittlerweile 113,6 Mio. Euro. Florian Müller, stellvertretender Leiter der Vermögensberatung: „Unsere Kunden nutzen die Niedrigzinsphase, um ihre Vermögensstruktur neu auszurichten. Das Thema Vermögensstruktur wird immer mehr zum Breitengeschäft, heute werden bereits für Vermögen ab 20.000 Euro Anlagealternativen gesucht.“

Die Volksbank Halle berät ihre Kunden schon seit Jahren anbieterunabhängig. Müller: „Unsere Anlagevielfalt mit einem Angebot von aktuell 6.500 Fonds trifft den Nerv unserer Kundschaft.“ Mit einem Team von vier Vermögensberatern und neuen Depotmodellen sieht sich die Volksbank für die steigende Nachfrage im Wertpapiergeschäft gut aufgestellt. Für das Jahr 2016 rechnet Müller mit einer weiter volatilen Börsenentwicklung: „Schwankungsbreiten im Dax von 2.000 Indexpunkten sollten eingeplant werden. Das beste Argument für regelmäßiges Ansparen über Investmentfondsanteile.“

Rekord-Ergebnis im Immobiliengeschäft

Die IVB Immobilien Vermittlungs- und Beteiligungs-GmbH & Co. KG der Volksbank Halle verzeichnet trotz herausfordernder Gesetzesänderungen zum Widerrufsrecht und Bestellerprinzip mit 90 vermittelten Objekten ein Rekord-Ergebnis (Vorjahr: 62 Objekte). Der Gesamtumsatz betrug ca. 12,4 Mio. Euro, der Provisionsgesamtumsatz konnte gegenüber dem Vorjahr um 31,4 Prozent gesteigert werden. Besonders erfolgreich startete der Vertrieb des von der IVB akquirierten Baugebietes Hollensiek in Bielefeld-Babenhausen, das die Haller gemeinsam mit der Immobilientochter der Volksbank Bielefeld-Gütersloh eG vermarkten. Bis Jahresende konnte bereits die Hälfte der vorhandenen Baugrundstücke beurkundet werden. Für das Jahr 2016 erwartet IVB-Prokurist Wolfgang Tiekötter vor dem Hintergrund niedriger Zinsen sowie dem wirtschaftlich wie politisch bedingten Zuzug neuer Menschen eine weiter steigende Nachfrage. Besonders gefragt sind Immobilien in zentralen Stadtlagen sowie zeitgemäße Mehrfamilienhäuser und Gewerbeimmobilien als Kapitalanlagen. Obwohl nach wie vor zu wenige Objekte zum Verkauf angeboten würden, rechnet die IVB für den Großraum Ostwestfalen-Lippe nur mit moderaten Preissteigerungen. Eine Überhitzung des Immobilienmarktes wie in einigen Ballungszentren sei nicht zu erwarten.

Deutliche Zuwächse bei Mitgliedern und Mitarbeitern

Mehr als jeder zweite der aktuell 24.000 Kunden der Volksbank Halle ist auch Mitglied der Genossenschaftsbank. Zum Jahresende lag die Zahl der Mitglieder bei 12.344. Das sind 797 mehr als im Vorjahr (272 Abgänge, 1.069 Zugänge). „Wir konnten erstmals mehr als 1.000 neue Mitglieder in einem Jahr begrüßen. Die Mitgliederentwicklung zeigt, dass das Geschäftsmodell der Genossenschaft mit seinen Mehrwerten und der Möglichkeit zum Mitentscheiden hoch attraktiv ist“, sagt Rainer Peters. Ziel sei es, möglichst jeden Kunden zu überzeugen, Mitglied und damit Eigentümer der Volksbank zu werden.

Parallel zur Zahl der Mitglieder wächst auch die Zahl der Mitarbeiter: Mit 112 Mitarbeitern, darunter elf Auszubildende, arbeiteten zum Jahreswechsel so viele Menschen wie noch nie bei der Volksbank Halle. Peters: „Das Wachstum bei den Mitarbeitern ist auch eine Reaktion auf die immer weiter wachsende Regulatorik. So haben wir zuletzt eine Fachkraft eingestellt, die sich ausschließlich um das Meldewesen kümmert.“

Jahresüberschuss stärkt Rücklage

Mit dem Jahresüberschuss von ca. 1 Mio. Euro will die Volksbank Halle ihre Rücklagen weiter stärken. Peters: „Wegen Basel III und anderer strengerer Vorschriften müssen Banken immer mehr Eigenkapital vorhalten. Dabei liegen die durchschnittlichen Regulierungskosten bezogen auf die Bilanzsumme bei uns um ein Vielfaches höher, als bei großen Instituten. Es ist paradox, dass kleinere und mittlere Institute wie die Volksbank Halle am stärksten von der Regulierung betroffen sind, obwohl gerade sie in der Finanzkrise ihre Stabilität unter Beweis gestellt haben.“

Genossenschaftliche Förderung der Region

Für die Förderung von Kultur, Bildung, Sport, Freizeit und soziale Projekte im Geschäftsgebiet hat die Volksbank Halle in 2015 insgesamt 57.800 Euro zur Verfügung gestellt. Die Gelder stammen aus Eigenmitteln sowie den Erlösen der genossenschaftlichen Soziallotterie „Gewinnsparen“. Einen gelungenen Start legte dabei das im März aufgelegte Förderprogramm „Gemeinsam stark“ hin, mit dem bis Jahresende 31 Vereine aus dem Geschäftsgebiet mit mehr als 26.000 Euro unterstützt wurden. „Die transparenten und fairen Vergaberegeln des Förderprogramms sind bei den Vereinen sehr gut angekommen“, berichtet Marketingleiter Timo Klack. Zudem ist es der Volksbank gelungen, mit der PAB-Gesamtschule eine weitere Schülergenossenschaft zu gründen. Auch als Steuerzahler leistete die Volksbank Halle wieder einen wichtigen Beitrag für die Region und zahlte 1,4 Mio. Euro an Steuern.

Trend zur Digitalisierung hält an

Fokussiert werden in 2016 die Themen Digitalisierung und der weitere Ausbau der genossenschaftlichen Beratung. „Wir wollen unsere Kunden auf allen Kanälen optimal ansprechen. Mit der erfolgreichen Einführung des Online-Bezahlverfahrens Paydirekt, mobilen Banking-Apps und online abschließbaren Bankprodukten reagieren wir auf das veränderte Kundenverhalten und rüsten uns gegen die wachsende Zahl neuer Wettbewerber“, sagt Harald Herkströter. Der Anteil der onlinefähigen Konten ist in den vergangenen fünf Jahren um 10 Prozent auf aktuell 43 Prozent gestiegen. Bereits 70 Prozent aller Überweisungen werden heute online erledigt. „Trotz des Ausbaus unserer digitalen Angebote bleibt die persönliche und genossenschaftliche Beratung in der Filiale unsere Kernaufgabe“, so Herkströter.

Ausblick: Volksbank Halle fit für Herausforderungen

Für die Zukunft sieht Vorstandsvorsitzender Rainer Peters die Volksbank Halle gut gerüstet: „Wir haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Investitionen in Personal, Qualifizierung, Prozessoptimierung, externe Beratung, Gebäude und Technik getätigt, um unsere Bank fit für die Zukunft zu machen. Jetzt wollen wir uns – passend zum EM-Jahr – mit einer guten Mannschaft, vielen treuen Fans, modernen Stadien und einer von Effizienz und Sparsamkeit geprägten Taktik gegen starke Gegner wie Niedrigzinsphase und Regulatorik behaupten.“

www.vb-halle.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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