Villis sieht EnBW erst ab 2014 wieder auf Erfolgskurs

Stuttgart (dapd). Der scheidende EnBW-Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Villis sieht den angeschlagenen baden-württembergischen Energieversorger erst ab 2014 wieder auf der Erfolgsspur. Die erheblichen Veränderungen des vergangenen Jahres durch die Energiewende lasse den Vorstand “verhalten in die Zukunft blicken”, sagte er am Donnerstag auf der Hauptversammlung. Er rechne für das laufende Jahr mit einem um 10 bis 15 Prozent reduzierten operativen Ergebnis. “Dieser Trend wird sich noch 2013 fortsetzen.” Erst danach werde der Konzern wieder zu alter Stärke zurückfinden.

Aufgrund der Energiewende und der Kernbrennstoffsteuer sei im vergangenen Jahr der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) gegenüber dem Vorjahr um 68 Prozent auf 671 Millionen Euro gefallen. Die EnBW musste im Frühjahr 2011 zwei von vier Atommeilern abschalten. Ohne die Novelle des Atomgesetzes wäre das Ergebnis um 850 Millionen Euro höher ausgefallen, betonte Villis. Trotz steigender Umsätze liege der Konzernfehlbetrag 2011 bei 867 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr.

Um das Unternehmen zu stabilisieren, setzt die EnBW unter anderem auf Deinvestitionen von rund 500 Millionen Euro und eine Hybridanleihe von insgesamt einer Milliarde Euro. Insgesamt plane die EnBW die Reduzierung ihrer Beteiligung in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Außerdem stehen Effizienzsteigerungen durch das Projekt Fokus bis Ende 2014 von jährlich 750 Millionen Euro auf dem Programm. Ende 2011 seien bereits Maßnahmen in Höhe von 190 Millionen Euro umgesetzt worden.

Dies sei die Voraussetzung für das angestrebte Investitionsprogramm in Höhe von 4,1 Milliarden Euro bis 2014. In diesem Zusammenhang sei auch die Entscheidung zur anstehenden Kapitalerhöhung von 800 Millionen Euro durch die Hauptanteilseigner, das Land Baden-Württemberg und der Zweckverband Oberschwäbischen Elektrizitätswerke, zu sehen.

Die EnBW will die Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen bis zum Jahr 2020 deutschlandweit mehr als zu verdoppeln. Investiert werden soll dazu vor allem in Wasserkraft und in Windkraft. Laut Villis soll neben den Off-Shore-Projekten in der Nordsee auch in On-Shore-Standorte in Baden-Württemberg investiert werden. Derzeit sichere sich die EnBW geeignete Standorte. Aus Sicht des Vorstandschefs werden aber zur Sicherung der Energieversorgung weiterhin konventionelle Großkraftwerke gebraucht. “Wir denken nicht in den Kategorien ‘klein gegen groß’ oder ‘dezentral gegen zentral’. Vielmehr muss es heißen: Sinnvoll, regenerativ, CO2-arm und wirtschaftlich”, sagte er.

Villis kritisierte dabei auch das von der grün-roten Landesregierung, namentlich von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), favorisierte Konzept zur Sicherung der Stromversorgung. Sogenannte Kapazitätsmärkte, durch die nicht nur die Erzeugung von Strom, sondern auch die Bereitstellung von Erzeugungskapazität gefördert werden sollen, förderten mitnichten den Wettbewerb. Vielmehr sei dadurch “ein massiver Markteingriff” zu befürchten, der auf lange Sicht nicht umkehrbar wäre. Villis plädierte stattdessen dafür, bei Bedarf geförderte Reserven einzusetzen, die in einem Bieterverfahren kosteneffizient gestaltet werden sollten.

Villis sprach sich zudem für die Einrichtung eines Bundesenergieministeriums aus, um die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende zu fördern. Villis scheidet Ende September auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen aus. Auf ihn folgt der E.on-Manager Frank Mastiaux.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis. Seid dem Jahr 2000 ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur. Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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