Streben nach dem Stallgeruch der Malocher

Streben nach dem Stallgeruch der Malocher Berlin (dapd). Rund 6,2 Millionen organisierte Gewerkschaftsmitglieder sind eine Bank, an der die politischen Parteien nicht vorbeikommen. Schon gar nicht in einem Jahr, in dem im September ein neuer Bundestag gewählt wird. Das Buhlen um die Gunst der Gewerkschaften ist gleichzeitig das Werben um Wählerstimmen. Dass die SPD die Nähe des DGB und seiner Einzelgewerkschaften sucht, ist nachvollziehbar und sozusagen naturgemäß. Auffällig ist in diesem Jahr der Kuschelkurs zwischen DGB und CDU. So viel Nähe war schon lange nicht mehr. Im Dezember vergangenen Jahres begann die Charmeoffensive. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe wurde nicht müde zu betonen, dass nahezu die gesamte Gewerkschaftsspitze auf dem Bundesparteitag der Christdemokraten versammelt sein werde. So kam es dann auch, man ging in Hannover sehr höflich miteinander um. Statt Pfiffen und Schelte gab es Süßes für die Delegierten, die sich doch beispielsweise schon seit Monaten nicht auf einen gesetzlichen Mindestlohn einigen können und damit eine zentrale Gewerkschaftsforderung verhindern: Schoko-Nikoläuse mit der Aufschrift „Gute Arbeit. Faire Löhne. Frohes Fest“ wurden verteilt. Statt eines Meers an Plakaten unterstrich eine schlappe „8 Euro 50“ vor der Halle die Forderung nach einer Lohnuntergrenze. Auch die Linkspartei will dazugehören Gleich im neuen Jahr trat IG-Metall-Chef Berthold Huber bei der CDU-Vorstandsklausur in Wilhelmshaven auf. Am vergangenen Wochenende lobte Kanzlerin Angela Merkel die Gewerkschaften über den grünen Klee. Sie hätten „eine ausgesprochen konstruktive und positive Rolle bei der Überwindung der Euro-Schuldenkrise gespielt“, sagte die Kanzlerin. „Dies ist ganz besonders wertvoll, weil sich hier gezeigt hat, dass deutsche Gewerkschafter nicht nur an deutsche Interessen denken.“ Sommer revanchierte sich in der Dienstagausgabe der „Rheinischen Post“. „Man kann der Kanzlerin zugutehalten, dass es trotz der Regierungsbeteiligung der FDP keine gravierenden Angriffe auf Arbeitnehmerrechte gegeben hat“, sagte er. Im Tagesverlauf begrüßte er dann bei der DGB-Vorstandsklausur in Berlin etwas übertrieben die „Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland“ und lobte nach der rund einstündigen Begegnung: „Das war ein problemorientiertes, sehr sachliches und ins Detail gehendes Gespräch, wie wir es mit der Kanzlerin gewohnt sind.“ Freundlichkeit gegenüber einem Gast ist eine Zier, Sommers Angriff auf die Regierungspolitik sah dann so aus: „Die deutschen Gewerkschaften erwarten von der Politik in diesem Wahljahr, dass konzeptionell weitergearbeitet wird und wir am Ende eines Wahljahres zu einer Änderung der Politik kommen.“ Eine „neue Ordnung der Arbeit“ fordert der DGB, das ist alles, und doch wenig in einer Zeit, in der immer mehr Menschen nicht von ihrem Job allein leben können, in der sich Unternehmer dank eines neuen, von Schwarz-Gelb auf den Weg gebrachten Insolvenzrechts vergleichsweise ungeschoren aus dem Staub machen können, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Aber der nach eigenen Angaben weltgrößte Gewerkschaftsbund muss sich in diesem Wahljahr offenbar auch gar nicht groß anstrengen, die Parteien sind schlichtweg viel zu versessen auf den Stallgeruch der Arbeiterklasse. Nach dem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel wollten die DGBler noch mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten und Grünen-Politiker Winfried Kretschmann reden, für Mittwoch ist ein Treffen mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück geplant. Die Linke reagierte beleidigt. Es sei „höchst befremdlich“, dass die DGB-Spitze die Linke nicht zur Klausur eingeladen habe, mokierte sich der Bundestagsabgeordnete und Chefvolkswirt der Linksfraktion, Michael Schlecht. Schließlich sei die Linke die Partei, „die gewerkschaftliche Forderungen konsequent und nachdrücklich vorantreibt“. Schlecht und die Seinen können beruhigt sein, auch sie kommen noch dran. Sommer hat bereits angekündigt, dass er Ende Februar auch mit den Linken reden will. dapd (Politik/Politik)

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

m.press@press-medien.de
www.press-medien.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.