Soziale Netzwerke – Facebook & Co um jeden Preis?

Social Web Angebote haben in den letzten Jahren in den Augen der Verbraucher einen hohen Stellenwert erhalten. Dabei stehen vor allem Kommunikation und Unterhaltung im Vordergrund. Allein 80 Prozent der 30- bis 49-Jährigen sind fast täglich in sozialen Netzwerken unterwegs, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 96 Prozent. Zahlen, die viele Unternehmer dazu bringen über eigene Social Media Aktivitäten nachzudenken. Aber lohnt es sich nur für die Großen bei Facebook, Twitter und Co mitzuspielen oder haben auch kleinere Unternehmen die Möglichkeit, im Mitmach-Web zu punkten?

Es gibt viele Argumente für und gegen die Nutzung sozialer Netzwerke. Vor allem im B2C-Bereich wird die Teilnahme an kommunikativen Web 2.0-Angeboten immer öfter empfohlen und auch durchgeführt. Hauptargument für deren Einsatz ist die Kundennähe, die durch eine direkte Kommunikation mit dem Endverbraucher generiert werden soll. Tatsache ist jedoch, dass nur ein Drittel aller Unternehmen die Plattformen tatsächlich für die direkte Kundenansprache oder als Supportstelle nutzt. Die anderen Unternehmen sehen darin oft nur eine günstige Möglichkeit, Werbung an bestehende oder potenzielle Kunden zu streuen. Der Erfolg der Aktionen ist dabei häufig nicht messbar. Einer Studie zufolge nutzen 92 Prozent der befragten Marketer Plattformen wie Facebook zu Marketingzwecken, den Erfolg können aber nur knapp 30 Prozent von ihnen wirklich belegen.

Wer das Social Web jedoch zur Kommunikation mit seinen Kunden – oder auch Geschäftspartnern – nutzt, kann einen Erfolg häufig schon in den Resonanzen sehen. Positives Feedback und gute Bewertungen auf speziellen Bewertungsportalen, aus denen Suchmaschinen auch ihre Ergebnisse beziehen, tragen zu einem besseren Unternehmensimage bei und geben ein gutes Bild über die Zufriedenheit der Zielgruppe. Wichtig ist, dass jederzeit ein klarer und seriöser Kundennutzen erkennbar ist und sich der User nicht als Werbeopfer fühlt. Eher sollte er an Neuigkeiten teilhaben können und durch direkte Ansprache aktiv mit einbezogen werden. Dabei muss man sich als Unternehmen stets vor Augen halten, dass selbst kleine, nicht durchdachte Aussagen im transparenten Web 2.0 hohe Wellen schlagen können, die bis in die Bewertungsportale schwappen. Wer es richtig angeht, kann aber mit sozialen Netzwerken, Foren oder auch dem eigenen Blog hervorragende Multiplikatoren für seine Informationen schaffen und zusätzlich wichtiges Linkbuilding für seine Website betreiben. Das wiederum wird von Suchmaschinen erkannt und als Bewertungskriterium für das Ranking der Firmenwebsite genutzt. Die Verwendung von Social Media Angeboten wurde für B2B-Unternehmen und kleine Betriebe lange Zeit als wirkungslos angesehen. Dass sich diese Einstellung geändert hat und B2B-Marketer auch im Social Media-Marketing hohes Potenzial sehen, zeigen neueste Studien. Etwa 59 Prozent der Profis werden zukünftig in diesen Bereich investieren. Dabei sollen vor allem soziale Communitys, Video-Portale, Wikis und Themen-Blogs berücksichtigt werden.

Auch für kleine Firmen, die ihre Kunden meistens persönlich kennen, kann sich eine Social Media Präsenz lohnen, um darüber den Kontakt weiter zu festigen. Wenn Profile und Kontakte in sozialen Netzwerken – egal ob es sich beispielsweise um Facebook, Google+ oder XING handelt – gut gepflegt werden, kann daraus ein deutliches Imageplus entstehen. Hier liegt für viele Unternehmen allerdings genau der Knackpunkt: Social Media-Marketing bindet personelle und zeitliche Ressourcen. Wer meint, die Beschäftigung eines Praktikanten für die Pflege von Social Media sei ausreichend, der täuscht. Um Social Media-Marketing als vollwertiges Marketinginstrument zu nutzen, werden Fachleute gebraucht oder sehr Internetaffine Mitarbeiter aus dem Marketing. Die Kampagnen müssen dialogorientiert sein und mit einer Content-Strategie betrieben werden, und zwar sehr konstant.

Ob sich der Einsatz von Social Media Marketing für die eigenen Zwecke lohnt, sollte sich jedes Unternehmen gründlich überlegen und sich die Kehrseiten, wie negatives Feedback, bewusst machen. Wenn man sich dazu entscheidet mitzumachen, dann bitte richtig. Soziale Netzwerke bieten nicht nur die Chance, Informationen zu verbreiten, sondern dienen in erster Linie der Pflege von Kontakten – zum Kunden und zum Geschäftspartner gleichermaßen. Tatsache ist und bleibt allerdings: Die Verbraucher tauschen sich aus – mit oder ohne das Unternehmen.

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Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

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