Rückschlag für Aufklärung des Missbrauchsskandals in der Kirche

Rückschlag für Aufklärung des Missbrauchsskandals in der Kirche Berlin (dapd). Eine umfassende Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche rückt in weite Ferne. Die Zusammenarbeit mit dem seit anderthalb Jahren mit dem Projekt befassten Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) wurde von der Deutschen Bischofskonferenz gekündigt, wie diese am Mittwoch mitteilte. Unterdessen übt Institutsleiter Christian Pfeiffer scharfe Kritik an den Kirchenvertretern. Anstatt weiter mit dem KFN zu kooperieren, will die Kirche nun die Wissenschaftler austauschen. Das Vertrauensverhältnis zu Pfeiffer sei zerrüttet, begründete Bischof Stephan Ackermann das Ende der Zusammenarbeit. „Vertrauen ist aber für ein so umfangreiches und sensibles Projekt unverzichtbar“, sagte er. Insbesondere das Kommunikationsverhalten von Pfeiffer gegenüber den kirchlichen Verantwortungsträgern habe einer konstruktiven Zusammenarbeit entgegen gestanden. Pfeiffer zeigte sich in mehreren Interviews über die Vorgehensweise der Kirche enttäuscht. Zwar sei das Projekt zunächst engagiert unterstützt worden. Von der Diözese München und Freising sei es dann jedoch ausgegangen, dass der Vertrag nachträglich geändert werden sollte. Alle Texte hätten zur Genehmigung vorgelegt werden sollen, sagte Pfeiffer. „Sie machten uns in diesem Vertragstext klar, dass sie dann auch das Recht haben, die Veröffentlichung von Texten zu verbieten“, sagte er. Auch bei der Auswahl der Mitarbeiter des Instituts wollte die Kirche den Angaben zufolge plötzlich mitreden. Das habe er als Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit abgelehnt. Als mögliche Ursache für den „kontollversessenen Kurs“ mutmaßte Pfeiffer im ZDF-„Morgenmagazin“, dass einige Diözesen die Veröffentlichung von Inhalten offenbar verhindern wollten. Das Erzbistum München und Freising weist die Vorwürfe Pfeiffers zurück. Von „Zensurwünschen“ der Erzdiözese könne keine Rede sein, sagte ein Bistumssprecher am Mittwoch auf dapd-Anfrage. Zensurwünsche entsprächen nicht der Wissenschaftsfreiheit, der sich auch das Erzbistum verpflichtet fühle. Es müsse darüber diskutiert werden, „wie der unbedingte Wille zur Aufklärung im Sinne der Opfer von Missbrauch mit der notwendigen Sorgfaltsverpflichtung sowie Fürsorgepflicht gegenüber kirchlichen Mitarbeitern zu vereinbaren ist“. Dabei gehe es um Fragen des Datenschutzes und der Anonymisierung. Enttäuschung herrscht nach den neuesten Entwicklungen beim Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt (netzwerkB). „Die Kirche ist noch nicht so weit sich zu öffnen“, teilte der Verband bereits am Dienstag mit. Das Prinzip der freiwilligen Selbstverpflichtung sei gescheitert. 2010 hatte das Bekanntwerden eines Missbrauchsskandals am Canisius-Kolleg in Berlin die Kirche erschüttert. Im Jahr 2011 wurde das Forschungsinstitut damit beauftragt, sexuelle Übergriffe an Minderjährigen durch Mitarbeiter der katholischen Kirche wissenschaftlich zu untersuchen. Dabei sollten unter anderem Zahlen zu Missbrauchsopfern seit 1945 erarbeitet werden. Außerdem soll die Studie klären, wie die Kirche mit Tätern und Opfern umging. Das Projekt wird finanziert vom Verband der Diözesen Deutschland. dapd (Politik/Politik)

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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