Rekommunalisierung betrifft Entsorger

Bernd Ranneberg, Sprecher der Geschäftsführung der Tönsmeier Gruppe. (Foto: Press Medien)
Bernd Ranneberg, Sprecher der Geschäftsführung der Tönsmeier Gruppe. (Foto: Press Medien)

Nun gewinnt ein weiteres Thema unter dem Stichwort „Rekommunalisierung“ an Brisanz, denn es setzt viele Entsorgungsbetriebe unter Druck.

In den letzten Jahrzehnten hatten sich viele Kommunen entschlossen, die Entsorgung an externe private Unternehmen abzugeben. Einhergehend mit den steigenden Rohstoffpreisen war dies ein attraktives Geschäft für die Branche. Das blieb den Kommunen nicht verborgen und diese sehen nun die Möglichkeit, diesen Bürgerservice wieder in kommunale Hände zu nehmen. WIR sprach mit Bernd Ranneberg, Sprecher der Geschäftsführung der Tönsmeier Gruppe aus Porta Westfalica über die Situation im Markt.

Herr Ranneberg, die Rekommunalisierung ist momentan ein heikles Thema in der Branche. Wie sehen Sie diese Veränderungen?

Bernd Ranneberg: Rekommunalisierungen und interkommunale Kooperationen betreffen derzeit die gesamte Branche. Die Schaffung autarker Entsorgungsregionen und die steuerliche Bevorteilung kommunaler Unternehmen verhindern zunehmend den fairen Wettbewerb zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern. Der Trend zur Verstaatlichung belastet perspektivisch die Verbraucher und die Umwelt, wir verlieren wertvolles Know-how und Innovationskraft.

Was sehen Sie auf die Bürger zukommen?

Ranneberg: Die Rekommunalisierung wird auf jeden Fall mehr Kosten für die Bürgerinnen und Bürger verursachen. Diese Einschätzung teilen wir übrigens mit dem Bundeskartellamt und dem Bund der Steuerzahler. Beide warnen seit geraumer Zeit vor kommunalen Monopolen und der Verstaatlichung gut funktionierender privater Strukturen.

Wo sehen Sie die Vorteile eines privaten Entsorgers?

Ranneberg: Ein Beispiel für Effizienz ist eine Lösung für unseren Kunden Solvay Soda Werk in Bernburg. In dieser Industriepartnerschaft liefern wir eine vertraglich zugesicherte Menge in Höhe von circa 450.000 Tonnen jährlich an klassischen gemischten Gewerbeabfällen als Ersatzbrennstoff, die in einer speziellen Energie- Anlage zur Dampferzeugung für die Produktion von Soda benutzt wird. Eine solche Anlage verwertet Ersatzbrennstoffe klimafreundlich und schont dabei gleichzeitig die endlichen Ressourcen wie Öl, Kohle und Gas als Energieträger.

Wie gehen Sie mit diesen Veränderungen um?

Ranneberg: Neben den strukturellen Anpassungen, die zu deutlich mehr Effektivität innerhalb der Gruppe führen werden, haben wir in operativer Hinsicht vor allem den Kundennutzen im Fokus. Wir werden künftig beweglicher und flexibler auf die Anforderungen unserer Kunden und Partner reagieren können. Damit stellen wir uns in unserem regionalen Kerngebiet für die Zukunft stark auf.

Wo sehen Sie neue Märkte für die Tönsmeier Gruppe?

Ranneberg: Wir planen ein gezieltes Wachstum mit wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodellen. Der polnische Markt der kommunalen Entsorgungsdienstleistungen, mit schon jetzt 40 Prozent Anteil am Gruppenumsatz, wird weiter ausgebaut. Neu hinzukommen Beratungsdienstleistungen zu Entsorgungsprozessen und Materialflüsse bei mittelständischen Industrieunternehmen und Großkonzernen. Hierzu gehört auch ein sogenanntes „Tendermanagement“, welches von der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen im Entsorgerbereich, Vergleich der Angebote bis zu konkreten Handlungsempfehlungen als Dienstleistung anbietet.

Ich bin davon überzeugt, dass das leistungsstarke Familienunternehmen Tönsmeier auch in den kommenden Jahren zu den Schrittmachern einer Branche zählen wird, die sich jetzt neu erfinden muss.

www.toensmeier.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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