Plagiatsverdacht gegen Annette Schavan

Berlin/Düsseldorf (dapd). Bundesbildungsministerin Annette Schavan sieht sich Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Anonyme Blogger beschuldigen die CDU-Politikerin auf der Internetseite „schavanplag“, an mehreren Stellen abgeschrieben und Quellen nicht genannt zu haben. Schavan versprach am Mittwoch in Berlin, die Vorwürfe aufzuklären. An der Universität Düsseldorf wird eine Kommission ab kommender Woche Schavans Arbeit unter die Lupe nehmen, wie die Hochschule mitteilte.

Die Ministerin will das Promotionsgremium der Philosophischen Fakultät dabei unterstützen. Sie wies darauf hin, dass die Vorwürfe im Internet völlig anonym seien. Das Blog enthält keine Hinweise auf einen Urheber. Die Plagiatsfahnder des Blogs „VroniPlag“ weisen eine Beteiligung zurück. Sie hatten mit ihren Recherchen unter anderem für den Entzug des Doktortitels der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin gesorgt.

Die Community habe sich entschlossen, den Fall Schavan nicht zu veröffentlichen, sagte „VroniPlag“-Gründer Martin Heidingsfelder der Nachrichtenagentur dapd. Mitglieder hätten die Arbeit untersucht, die Verfehlungen aber nicht als gravierend erachtet. „Für mich sieht es nach einem Alleingang von jemandem aus“, sagte Heidingsfelder zu „schavanplag“. Er rechne damit, künftig weitere Spitzenpolitiker der Fälschung zu überführen. Hinter dem Abkupfern bei Doktorarbeiten stecke offensichtlich System.

Die studierte Theologin und Philosophin Schavan wies die Behauptung zurück, in ihrer Arbeit ein Zitat des Kirchenlehrers Thomas von Aquin nicht original zitiert, sondern aus anderen Werken übernommen zu haben. Im „schavanplag“ wird ihr vorgeworfen, den Satz aus einem Buch übernommen zu haben, ohne dies korrekt zu vermerken.

Die 56-jährige Politikerin hatte vor 32 Jahren an der Universität Düsseldorf promoviert. Der Titel ihrer 1980 veröffentlichten Arbeit lautet „Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“. Schavan wurde 2009 zur Honorarprofessorin der Freien Universität Berlin ernannt und führt deshalb auch einen Professoren-Titel.

In den vergangenen Monaten waren mehrere Politiker über Plagiate in ihren Doktorarbeiten gestolpert. Am spektakulärsten war der Fall Karl-Theodor zu Guttenberg: Der CSU-Politiker trat im März 2011 vom Amt des Verteidigungsministers zurück, nachdem ihm Internet-Nutzer zahlreiche Plagiate nachgewiesen hatten und sein Doktortitel aberkannt wurde.

(Die Vorwürfe gegen Schavan: http://schavanplag.wordpress.com Alle angeblichen Plagiate zusammengestellt in einem PDF-Dokument: http://url.dapd.de/0nGdm2)

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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