Internetvideo kontra Fernsehen

Ulrich Mors produziert als Inhaber der Firma Morsmedia in Ascheberg und Dortmund seit Jahren Image- und Industriefilme. Die Redaktion der Wirtschaft Regional sprach mit Herrn Mors über Trends und Aussichten.

Herr Mors, wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren verändert?
Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren unglaublich viele Veränderungen mit sich gebracht, hier ist wohl der größte Wandel zu beobachten.

Worauf beziehen Sie das?
Zum einen produzieren wir mittlerweile volldigital. Zum anderen haben sich die Distributionswege zum Endkunden völlig verändert. Noch vor wenigen Jahren waren Videokassetten und später DVDs für Kunden oder vor Ort am POS notwendig, heute beschicken HDTV Screens als Digital Sig-nage über das Internet. Internetvideo löst de facto das bisherige Fernsehen ab.

Wie schätzen Sie das ein?
Ganz einfach: Die Bandbreiten für kabelgebundenes und mobiles Internet werden höher, die Inhalte dadurch qualitativ hochwertiger. Informationen und Videoinhalte lassen sich verschlagworten, aktiv auf Endkunden anpassen und sind quasi überall verfügbar. Wir produzieren zur Zeit für ein mittelständisches Unternehmen Videoanleitungen, die als Quickreader-Symbole auf Werkzeuge gedruckt werden. Ein einfaches Smartphone reicht – und auf Wunsch startet ein kompetentes Einführungs- und Handhabungsvideo. Für andere Kunden bereiten wir gerade Vertriebs-Backendvideos vor: Die Vertriebler nehmen also kein Videomaterial mehr mit, sondern rufen es beim Kunden während eines Verkaufsgespräches auf. Tablet-PCs und Smartphones sind dafür mittlerweile flexibel genug und sind HDTV-tauglich.

Das klingt nach großen Budgets?
Mehr Geld kann man immer ausgeben (lacht). Nein, Spaß beiseite: Wir haben für OSMA Aufzüge in Osnabrück 3D-Clips für eine Baumesse gedreht. Im Vorfeld fragte mich der Geschäftsführer: „Herr Mors, was kostet eine Minute Werbefilm?“. Ich habe geantwortet: „Gegenfrage: Was kostet ein Meter Aufzug?“. Ein Imagefilm entsteht nicht allein durch die Videokamera. Wie bei allen PR-Aktionen müssen Zielgruppen definiert werden, ein inhaltliches und visuelles Konzept erstellt werden, Schauspieler oder Statisten gefunden und ausgewählt werden. Ein Image- oder Produktvideo kann auf unterschiedlichste Weise produziert werden – und da entsteht auch der Spielraum für das eigene Budget.

Und wie sieht die Zukunft im Bereich Imagefilm und Industrievideo aus?
Mobile Content! Der Weg ist unumkehrbar. Ein Mitarbeiter von Cisco prophezeite vor kurzem, dass in 3 Jahren 95% des weltweiten Datenvolumens durch Videostreams entsteht. Ich habe den Eindruck, dass wir bereits heute dort angekommen sind. Video beliefert einen der hungrigsten Sinne des Menschen, und dieser Hunger wird nicht mehr abnehmen. Der Satz „Bilder sagen mehr als tausend Worte“ wird auch in der Zukunft eine tragende Rolle haben – ob als Werbevideo am POS, als Videoanleitung oder im Kundenverbund auf Facebook. Und wir produzieren 50 Bilder… pro Sekunde!

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

m.press@press-medien.de
www.press-medien.de

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