Handwerk braucht einfacheren Weg zur Digitalisierung

Alexander Ihde, Gründer und Inhaber des Bielefelder Unternehmens SOLIHDE. (Foto: SOLIHDE GmbH)

WIR sprach mit Alexander Ihde, geschäftsführender Gesellschafter der Ihde Gebäudetechnik GmbH aus Bielefeld und Gründer des IT-Unternehmens SOLIHDE, über die Chancen der Digitalisierung im Handwerk.


WIR: Herr Ihde, Sie verbinden als Unternehmer Digitalisierung und Handwerk in einer Person. Worin sehen Sie die Chancen der Digitalisierung im Handwerk?
Alexander Ihde: Insbesondere für mittlere und große Handwerksbetriebe bietet die Digitalisierung die Chance, das eigene Leistungsportfolio deutlich auszubauen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Mein Unternehmen ist ursprünglich als klassischer Heizungs- und Sanitärbetrieb gestartet. Heute sind wir als Gebäudetechnik-Dienstleister inzwischen ein Generalunternehmen im Bereich „Bauen im Bestand“, modernisieren rund 85.000 qm Wohnfläche im Jahr, sind aktiv in der Planung, Erstellung und im Unterhalt gebäudetechnischer Anlagen, wickeln Versicherungsschäden ab und managen rund 35.000 Serviceeinsätze pro Jahr. Die Digitalisierung hat das alles natürlich nicht alleine zuwege gebracht, war aber ein wichtiger Katalysator für diesen Wachstumsprozess.

WIR: Aber ein bisschen Software produziert doch keinen solchen Wandel. Können Sie uns das bitte noch genauer erläutern?
Ihde: Richtig, Software allein kann das nicht. Aber die richtige Software kann neue Möglichkeiten eröffnen und hilft bei der Differenzierung im Wettbewerb. Auch im Handwerk zeichnet sich der Weg zu höherer Fertigungstiefe und Generalisierung ab. Die Kunden der Ihde Gebäudetechnik wollen für ein Modernisierungsprojekt oder zur Behebung eines Rohrleitungsbruchschadens nicht mehr viele unterschiedliche Handwerker und Gewerke koordinieren, weil sie erkannt haben, dass wir das besser und kostengünstiger erledigen können. Wir standen also vor der Aufgabe, nicht nur unsere internen Leistungen zu erbringen, sondern viele unterschiedliche Marktteilnehmer zu beauftragen, zu steuern und abzurechnen. Hier kommt nun die Digitalisierung voll zum Tragen: Ohne eine solide Softwarebasis, mit der Sie Informationen bündeln und auswerten sowie Prozesse optimieren und automatisieren können, können Sie diese Leistungen nicht effizient und kostendeckend erfüllen. Heute binden wir neue Subunternehmer mit wenigen Klicks in unsere Systeme ein, stellen ihnen digital genau die Informationen und Unterlagen bereit, die sie brauchen und senden ihnen bei Bedarf auch Serviceaufträge direkt aufs Handy. Es kommt dabei aber sehr auf die Art der Software an, die Sie dafür nutzen. Mit den gängigen Branchenlösungen im Handwerk wäre unser Unternehmenserfolg nicht möglich gewesen.

WIR: War dies der Grund dafür, dass Sie ein Softwareunternehmen gegründet haben?

Ihde: Im Grunde stimmt das. Wir haben uns viele Branchenlösungen und ERP-Systeme angesehen, aber keines hat auch nur annähernd die Flexibilität gehabt, die uns für unsere Unternehmensentwicklung vorschwebte – von den Kosten einmal ganz zu schweigen. In ihren Nischen war die Software teilweise gar nicht schlecht, aber über den Tellerrand der Branche zu schauen, war schlichtweg schier unmöglich. Im Bestreben, individuelle Wünsche abdecken zu können, hat man immer mehr Funktionen in eine Standardsoftware gepresst, die damit nun teuer und unflexibel in der Anschaffung und im Unterhalt geworden ist.
Da wir keine adäquate Lösung gefunden haben, haben wir beschlossen, völlig neue Wege zu gehen und eine moderne, flexible Softwareplattform zu entwickeln, die die Transformation vom kleinen Handwerksbetrieb zum mittelständischen Dienstleister wirksam unterstützen kann. Unser Produkt IONE ist also aus einem tatsächlichen Bedarf heraus entstanden – einem Bedarf, der bei vielen Unternehmen ähnlich ist. Die wenigsten Unternehmer im Handwerk können meines Erachtens sicher wissen, welche Geschäftsbereiche in der Zukunft dazukommen oder wegfallen werden oder wie die Gewichtung der Tätigkeitsbereiche in den nächsten Jahren aussehen wird. Deshalb war es für mich wichtig, dass sich die IT den jeweiligen Gegebenheiten anpasst – und nicht das Unternehmen der IT. Genau das ermöglicht IONE.

WIR: Was ist denn anders bei IONE?

Ihde: Das ‚Prinzip Einfach’ ist die Kernidee von IONE. Softwaretechnisch bilden wir die Welt genau so ab, wie sie ist: In unserer Software ist ein Auftrag ein Auftrag, Fahrzeuge und Arbeitsmittel sind Ressourcen usw. Dabei kommen diese Objekte sehr einfach daher und werden dann auf den Kunden maßgeschneidert ausgestaltet. Die Lösung bleibt schlank und entspricht genau dem, was der Kunde braucht. Das ist bei der bisherigen Standardsoftware genau andersherum. Sie bringt jede Menge Funktionen und Sonderlocken mit, die der Kunde nicht braucht und die deshalb wegkonfiguriert werden müssen. Sie bleiben aber im System und machen es schwerfällig für Änderungen.
Aus der Einfachheit entspringt also eine enorme Flexibilität und Individualität. Die Einfachheit setzt sich aber auch in der Oberfläche und Benutzung fort. Die Mitarbeiter unserer Kunden brauchen typischerweise keine gesonderte Schulung, um mit der neuen Software arbeiten zu können. In einer aktuellen Studie des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) und des Bitkom haben rund zwei Drittel der befragten Unternehmen eine „mangelnde Digitalkompetenz“ oder „Berührungsängste gegenüber digitalen Technologien“ als wesentliche Hindernisse bei der Digitalisierung angegeben. In einer Zeit, wo fast jeder ein Smartphone besitzt und im privaten Bereich viele digitaler Angebote nutzt, kann es nicht am Nutzer liegen, wenn IT-Systeme und Softwarelösungen als zu kompliziert empfunden werden. Die bisherigen Lösungen sind schlichtweg zu kompliziert gemacht.

WIR: Welchen Tipp würden Sie Unternehmern im Handwerk mit Blick auf die Digitalisierung geben wollen?

Ihde: Eigentlich sind es zwei Dinge: Erstens die Digitalisierung als Chance für die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens zu begreifen und zweitens neue Wege bei der Unternehmenssoftware zu gehen. Die zunehmende Digitalisierung wird zu einer weiteren Auflösung von Branchengrenzen führen. Es entstehen neue Service- und Geschäftsmodelle, die gerade von innovativen Handwerksbetrieben genutzt werden können, um sich mit neuen Angeboten und Services im Markt zu differenzieren und Kunden zu begeistern. Gerade die Individualität des Handwerks ist dabei ein wichtiger Erfolgsbaustein, der bislang in den meisten Softwarelösungen nicht ausreichend gewürdigt wurde. Die geringe Verbreitung klassischer Standardlösungen und Konzepte im Handwerk spricht hier Bände. Ein mittelständischer Handwerksbetrieb kann aus einem Sammelsurium an gängigen Standard- und Branchenlösungen keinen Nutzen ziehen, sondern braucht eine einheitliche und vor allem flexible Softwarelösung.

http://www.solihde.de

Das Interview führte Bernd Hoeck, freier Journalist, Autor und IT-Experte im Auftrag von WIR.

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Bernd Hoeck

Bernd Hoeck

Bernd Hoeck ist freier Journalist, Speaker und IT-Experte. Zu seinen Themenschwerpunkten gehören die Nutzung moderner IT-Technologien für innovative Geschäftsmodelle und zur Optimierung von Prozessen und die Bewertung aktueller IT-Trends. Sein Unternehmen bloodsugarmagic berät mittelständische IT-Unternehmen in der Positionierung, Vermarktung und PR. Er ist davon überzeugt, dass man komplexe Sachverhalte in der IT so beschreiben kann, dass die Nutzer und Zielgruppen deren Wert sofort erkennen können. Als Experte für Story Building bringt er rund 25 Jahre Erfahrung mit der Nahtstelle von IT und Business mit und nutzt die gesamte Bandbreite von Marketing, Social Media und Pressearbeit, um Sichtbarkeit und Reputation für seine Kunden zu erzeugen. Zudem optimiert bloodsugarmagic Vermarktungsansätze in bestehenden Märkten und schafft Zugang zu neuen Markten wie beispielsweise den USA.

Sie erreichen Bernd Hoeck unter:

Bernd.Hoeck@bloodsugarmagic.com
http://www.bloodsugarmagic.com

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