Gläserner Blick aufs Parlament

Düsseldorf (dapd-nrw). Wenn der Düsseldorfer Landtag zur Wahl am Sonntag wieder von Besuchern wimmelt, dann werden sich viele davon sicher nicht nur mit den politischen Aussichten beschäftigen. Denn das Parlamentsgebäude am Rheinufer wird auch wegen seiner gläsernen Architektur geschätzt, die viele schöne Ausblicke auf die nähere Umgebung ermöglicht – vor allem auf den Fluss und den benachbarten Rheinhafen sowie die gegenüberliegende Uferwiese, auf der oft eine Schafherde weidet.

Doch der unverstellte Blick nach Außen ist kein Selbstzweck, er findet sich ebenso im Inneren des Gebäudes und steht für den architektonischen Ausdruck eines politischen Ideals: der Offenheit und Transparenz parlamentarischer Arbeit, deren Zugänglichkeit und Bürgernähe. Dem entsprechen beispielsweise auch die freie Sicht von den Gängen in den Plenarsaal und ein gläserner Aufzug.

Möglich wurde diese offene Konzeption, weil der Düsseldorfer Landtag mit seinen 24 Jahren ein vergleichsweise junges Gebäude ist und von vorneherein als Parlamentshaus ersonnen wurde – in der Geschichte solcher Bauten eher die Ausnahme als die Regel. Auch bei anderen Details konnten die Architekten Fritz Eller, Erich Moser, Robert Walter und ihre Partner Zeichen setzen: Die häufige Verwendung von

Kupfer soll für Tradition und Dauer stehen, während die zurückhaltende Fassadengestaltung mit Sandstein an den Stil anderer öffentlicher Bauten in der Stadt anknüpft.

Seit dem 2. Oktober 1988 tagen die Abgeordneten in dem Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum imposanten Fernsehturm. Es ist damit das bereits vierte Landtagshaus seit Gründung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen im Juli 1946. Mit Düsseldorf als Landeshauptstadt knüpfte die britische Militärregierung an eine alte Tradition an: Bereits bis 1933 hatte im Ständehaus am Schwanenspiegel der Rheinische Provinziallandtag getagt.

Doch das Ständehaus war im Krieg zerstört worden und stand erst ab 1949 für die NRW-Volksvertretung zur Verfügung. Für die Zeit dazwischen mussten daher zwei Domizile als provisorische Landtage herhalten: Zu seiner ersten Sitzung kam das Parlament am 2. Oktober 1946 im Düsseldorfer Opernhaus zusammen. Danach tagten die Abgeordneten drei Jahre in einem Saal der Henkel-Werke – wo es nebenher noch Filmvorführungen für britische Soldaten gab.

Das aus dem Jahr 1881 stammende Ständehaus, in dem der Landtag schließlich bis zu seinem Umzug 1988 tagte, war im Verlauf der Jahrzehnte schlicht zu klein für den parlamentarischen Betrieb geworden. Statt Erweiterungs- und Ergänzungsbauten beschloss man daher den Bau eines komplett neuen Parlamentshauses. Das Ständehaus zieht inzwischen als renommiertes Kunstmuseum die Besucher an.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis. Seid dem Jahr 2000 ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur. Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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