Girokonten werden teurer – warum ist das so?

Bild: © istock.com/andrej_k
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Seit ein paar Wochen geht das Gerücht um, dass Banken die Kosten für ihre Girokonten erhöhen wollen und tatsächlich haben schon einige Banken diesen Schritt gemacht oder anderweitige Gebühren für ihre Dienstleistungen eingeführt. Warum genau passiert das aber?

Das europäische Bankensystem wird von der Europäischen Zentralbank in Frankfurt gesteuert, was sich insbesondere auf den sogenannten Leitzins bezieht. Dieser ist gerade zugunsten der wirtschaftlichen Infrastruktur und Konjunktur besonders niedrig. Bankkunden sollen Kredite aufnehmen, die durch den niedrigen Leitzins sehr günstig sind, anstatt ihr Geld in Anlagen wie Tagesgeld oder Festgeld zu stecken. Die Anlagezinsen sind ebenso wie die Kreditzinsen historisch niedrig und somit kaum rentabel. Dies ist die grundsätzliche Ausgangssituation für die teureren Girokonten.

Effektiv Schuld ist die Einlagefazilität

Was die Bankkunden nicht mitbekommen, ist, dass am Ende eines jeden Wirtschaftstages Geld bei der Europäischen Zentralbank aufgenommen oder abgelegt wird. Je nachdem, ob eine regionale Bank beim Tagesabschluss Geld benötigt oder übrighat. Sofern Geld abgelegt wird, nennt man das Einlagenfazilität (allgemeine Fakten). Normalerweise bekommt die Bank dafür Zinsen gutgeschrieben. Durch die historisch niedrige Zinspolitik sind diese Einlagezinsen mittlerweile jedoch negativ. Die Bank muss also für ihre Einlagen tatsächlich Geld bezahlen. Dementsprechend machen Banken derzeit mit Geldanlagen ein potenzielles Minusgeschäft, das sie jedoch auch nicht für eine gewisse Zeit einfrieren können. Die negativen Zinsen bleiben und müssen bei Überschüssen und Einlagerungen gezahlt werden, während die Kunden trotzdem ihre positiven Zinsen erhalten. Die Bank bleibt also auf den Kosten sitzen.

Was genau wird am Ende für den Kunden teurer?

Um eben kein Minusgeschäft zu verursachen und langfristig Geld zu verlieren, müssten Banken den Negativzins der Europäischen Zentralbank an die Kunden weitergeben. Bei Geschäftskunden machen Banken das mittlerweile schon, beim Privatkundengeschäft unterlassen sie den Schritt jedoch, um ihre Kunden nicht zu verärgern. Stattdessen werden andere Gebühren erhöht oder eingeführt, um das Minus auszugleichen. Es kann dazu kommen, dass Kontoführungsgebühren erhöht oder eingeführt werden, sofern sie noch nicht vorhanden waren. Oder es kommt zu höheren bzw. neuen Gebühren für Überweisungen, Kreditkarten, Girokarten oder für Abhebungen am Automaten. Besonders bei Filialbanken dürfte diese Entwicklung, sofern sie sich weiter zuspitzt, zu spüren sein, weil ein großes und teures Filialnetz zu betreiben ist und hier deutlich strenger gegen die Negativzinsen der EZB angesteuert werden muss. Direktbanken, die lediglich online auftreten, können dagegen vermutlich bei ihren attraktiven Kostenloskonten bleiben.

Kontokündigungen werden akzeptiert

In der Regel gibt es bei Girokonten anders als bei Mobilfunkverträgen oder Stromtarifen keine Mindestlaufzeiten. Dementsprechend kann der Kontoinhaber jederzeit sein Konto kündigen, auch ohne besonderen Grund und zwecks eines einfachen Bankenwechsels. Sollte man effektiv von einer Gebührenerhöhung oder -einführung betroffen sein, ist eine Kündigung genauso möglich und wird anerkannt. Allerdings lohnt sich auch ein Blick in Richtung der jährlichen Steuererklärung, denn Kosten für das Girokonto lassen sich von der Steuer absetzen. Bis zu 16 Euro pro Jahr können als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

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