Fliegen in neuer Dimension

Fliegen in neuer Dimension Schönefeld (dapd). Er ist ein Zwitter aus Hubschrauber und Kleinflugzeug: der X3 von Eurocopter. Nach einem Senkrechtstart kann er von zwei Propellern angetrieben mehr als 400 Kilometer pro Stunde schnell fliegen. „Der X3 wird ein völlig neues Segment in der Luftfahrt schaffen“, ist Eurocopter-Präsident Lutz Bertling überzeugt. In spätestens sechs bis sieben Jahren will er damit auf dem Markt sein. Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Schönefeld präsentiert Eurocopter seinen sogenannten Entwicklungsträger, der gerade eine mehrwöchige Tour durch die USA hinter sich hat. „Das Interesse ist groß“, berichtet Bertling. Vor allem Rettungsdienste seien an dieser Kombination aus Helikopter und Flugzeug interessiert, könnte dieses Hybrid doch einen Teil der bisherigen Flotte und Kosten einsparen. Doch auch in Europa dürfte der Bedarf an solchen Fluggeräten groß sein. Viele Flughäfen seien schon an der Kapazitätsgrenze angekommen und müssten neue Start- und Landebahnen bauen, sagt Bertling. Schließlich gebe es kaum einen Unterschied, ob ein großer Airbus abhebt oder ein Kleinflugzeug. „Der Slot ist weg“, also das Zeitfenster zur Belegung der Startbahn. Genau hier könnte der X3 ansetzen. „Es sind nicht nur Versionen mit acht Passagieren vorstellbar, sondern auch mit 25 oder sogar 50 Passagieren“, sagt Bertling. Verbindungen wie München-Stuttgart oder zu kleineren Flughäfen könnten so effektiv auch von bestehenden Airports abgewickelt werden, ohne die Infrastruktur groß zu ändern. Auch das Argument, mit einem Helikopter lasse sich nicht leise fliegen, lässt Bertling nicht gelten. Das „Vibrationsmuster“ sei beim X3 unvergleichlich zu anderen Hubschraubern. Hier werde bereits beim ersten Modell eine Geräuschkulisse erreicht, wie sie in Kleinflugzeugen üblich ist. Die Kurzstrecke in der Luftfahrt, die unter Problemen leidet, könnte also revolutioniert werden. Was für Airlines ein Übel ist, ist für die Hubschrauberhersteller ein Segen: der hohe Ölpreis. „Unter 80 Dollar pro Barrel werden die Vorkommen weiter ausgebeutet, über 80 Dollar werden neue erkundet“, sagt Bertling. Und dafür werden zunehmend Hubschrauber eingesetzt. So spürt Eurocopter den anhaltend hohen Ölpreis von derzeit fast 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) schon jetzt in höheren Bestellzahlen. Schließlich wurde in den vergangenen Jahren relativ wenig Kapital in die Entdeckung neuer Öl- und Gasvorkommen investiert. Auch hier könnte der X3 ein neues Segment bedienen. Denn neben den Erkundungen ließe sich der „Flugschrauber“ auch als Transportmittel für die Crews der Plattformen nutzen, die immer weiter vom Festland entfernt gebaut werden. „Wir erreichen mit dem X3 Reisegeschwindigkeiten von kleinen Flugzeugen“, sagt der Eurocopter-Chef. Da könne ein Hubschrauberhersteller in einen neuen Markt eindringen. Bertling hält solche Visionen für wichtig, schließlich schrumpft der Militärmarkt wie für den Kampfhubschrauber Tiger und den mittleren Transporthubschrauber NH90 beständig. Zudem macht Eurocopter sein Geschäft vor allem außerhalb Europas. Allein in den USA hält die Firma einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Hier geht es in den kommenden Jahren nicht nur um Ersatzbeschaffung. „Der Tourismus boomt, und auch die Rettungsorganisationen wollen neues Gerät“, sagt Bertling. Und auch die zivilen Helfer könnten vom X3 profitieren, ist der Eruocopter-Chef nach der US-Tour überzeugt. Denn statt eines kleinen Hubschraubers für die schnelle Rettung und eines Kleinflugzeuges für den späteren Krankentransport inklusive Intensivmedizin würde künftig ein Modell ausreichen. Eine Steigerung der Geschwindigkeit um 50 Prozent bei einer Kostensteigerung um lediglich 20 Prozent spreche da für sich. Bertling ist überzeugt, „dass wir mit dem X3 den Markt für Helikopter grundlegend verändern werden“. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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