Es spricht in Zukunft Vieles für den Leichtbau!

Bielefeld/Lemgo. Rund 250 interessierte Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Medien trafen sich auf Einladung der „Leichtbauoffensive OWL“ am 23. und 24. Mai zum zweiten internationalen Möbelleichtbau-Symposium in Lemgo. Im Audimax der Hochschule Ostwestfalen präsentierten 31 nationale und internationale Experten unterschiedlicher Fachgebiete den Zuhörern die neuesten Konzepte und Entwicklungen aus ihrer Forschung und Praxis.

Im Juni 2010 hatte das erste Möbelleichtbau-Symposium als Auftaktveranstaltung des Förderprojekts „Leichtbauoffensive OWL“ ein großes Echo in der Branche gefunden. Seitdem haben Projektleiter Prof. Martin Stosch und das Team rund um Projektmanager Torben Hellmann umfangreiche Grundlagenforschungen rund um die Entwicklung und Bewertung von Leichtbaulösungen im Möbelbau durchgeführt. Die Ergebnisse wurden der Branche nun öffentlich vorgestellt. Projektleiter Stosch: „Der aktive Wissens-Transfer in die Branche gehört zu den Hauptaufgaben der Offensive. Mit unserem Möbelleichtbau-Symposium, das für alle Teilnehmer kostenlos ist, bieten wir ein breit angelegtes Forum zur Diskussion und zur Information rund um die Chancen und Potenziale von Leichtbaukonzepten im Möbelbau.“

 

Erkenntnisse der Forschungsarbeit vorgestellt
Die Arbeit des Teams der Leichtbauoffensive OWL am Standort Lemgo umfasst die Bereiche Qualitäts- und Normungsarbeit, Stoffstromanalysen, Werkstoffprüfungen, Delphistudie sowie Aus- und Weiterbildung. Auf dem Symposium wurden nun die wichtigsten Zwischenergebnisse der Fachöffentlichkeit vorgestellt, so zum Beispiel zur Entwicklung von Verarbeitungsregeln für eine prozesssichere Verarbeitung von Leichtbauplatten. Bis zum Projektende 2013 sind weitere Möbelprüfungen, spezielle Beschlaguntersuchungen und abschließend die Definition von Werkstoff-Klassifizierungen geplant. Im Bereich Qualität und Normung wurden Prüfverfahren und mechanische Modelle erarbeitet, die zur Erstellung von technischen Merkblättern für Werkstoffe im Möbelleichtbau führen. Das erste Etappenziel, die Überführung der Entwurfsvorlage „pr.CEN/TS“ in eine Technische Spezifikation „CEN/TS“, wird bald erreicht sein: Die Abstimmung über die Einführung in den Normungsgremien steht bevor.

 

„Wir glauben an die Zukunft des Leichtbaus“
Das Symposium bot den Teilnehmern viel Raum zur Inspiration und zum intensiven Ideenaustausch untereinander. Das Fachprogramm wurde durch eine gemeinsame Abendveranstaltung im Westfälischen Freilichtmuseum in Detmold ergänzt. In 31 Impulsvorträgen berichteten Branchenexperten aus Forschung, Möbelindustrie und Handwerk, aber auch aus anderen Wirtschaftsbereichen über ihre Praxiserfahrungen, Konzepte und Entwicklungen. Der Bogen war weit gespannt. Von der Automobil- über den Windkraftanlagenbau bis zu neuen Materialien für Architektur und Innenausbau reichte die Themenpalette. Die Bedeutung des Themas Leichtbau für die Holz- und Möbelbranche wurde durch die Tatsache bestätigt, dass sich Katariina Rohrbach (Deutsche Messe AG, Hannover) und Matthias Pollmann (Koelnmesse GmbH, Köln) als Vertreter von zwei Weltleitmesse-Veranstaltern die Moderation des zweiten Veranstaltungstages teilten.

 

„Wir glauben an die Zukunft des Leichtbaus“, erklärte Dr. Lucas Heumann, Hauptgeschäftsführer der Verbände der Holz- und Möbelindustrie Nordrhein-Westfalen e.V. (Herford) den Zuhörern im gut gefüllten Audimax. Leichtbaukonstruktionen ermöglichten neue technische Funktionen, andere Dimensionierungen und größere Spannweiten der Elemente. Längst gibt es für den Leichtbau geeignete Werkzeuge und Verbindungstechniken. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Die Tatsache, dass die Leichtbaumöbel noch immer im Prototyp-Stadium seien, zeige, dass es noch Defizite gebe. Diese müssten von den Branchenakteuren gemeinsam angegangen werden, zum Beispiel in Netzwerken wie der Interessengemeinschaft Leichtbau e.V. (igeL). Denn der Leichtbau bietet laut Dr. Heumann genügend Aspekte, die in Zukunft noch große Bedeutung für die Branche erhalten werden.

 

Das bestätigte Prof. Dr. Ralf E. Ulrich in seinem Auftaktvortrag zur demografischen Entwicklung in Deutschland: Drohender Nachwuchsmangel bei gleichzeitig alternden Belegschaften werden in der Möbelindustrie ein Umdenken und neue Strategien erfordern, so sein Fazit. Hier könnte der Möbelleichtbau für die sinnvolle Gestaltung altersgerechter Arbeitsplätze im Wortsinn eine „tragende Rolle“ spielen: Leichtere Werkstücke schonen Rücken und Gelenke der Mitarbeiter.

 

Ähnliche Vorteile bietet Leichtbau im Bereich der Neumöbellogistik. Marktexperten wie Winfried Titze gehen davon aus, dass der Anteil des E-Commerce stark steigen wird – und damit auch die Notwendigkeit, die individuell bestellte Ware direkt zum Endverbraucher zu liefern. Dabei kommt ein niedriges Packgewicht dem Fahrer zugute und senkt außerdem die Logistikkosten für das Transportunternehmen: gute Argumente für leichte Möbelkonzepte. Titze appellierte an die Möbelhersteller, das Informationsdefizit von Leichtbaumöbeln beim Endverbraucher zu überwinden, sich mit neuen, direkten Vertriebswegen zu beschäftigen und die Vorzüge des Leichtbaus gezielt an die Kunden zu kommunizieren.

 

Spannende Leichtbau-Konzepte in Arbeit
Dass immer wieder neue, erfolgversprechende Werkstoffkonzepte in Sachen Leichtbau erdacht werden, zeigte unter anderem der Vortrag von Dr. Tomas Joščák. Sein Unternehmen entwickelt derzeit in Kooperation mit weiteren Partnern eine leichte Faserplatte, bei der die Dichte im Werkstoff durch neue Verfahren nicht homogen, sondern unterschiedlich verteilt wird. Da keine Hohlräume entstünden, seien auch keine speziellen Verbindungsmittel oder Spezialwerkzeuge notwendig. Das mache die neue Platte zu einem universellen Produkt, so Dr. Joščák. Die Markteinführung des ersten Produkts ist für 2013 geplant.

 

Ein beeindruckendes Plädoyer für den leichten Möbel- und Innenausbau im Handwerk lieferte der Tiroler Tischlermeister Sepp Hofer, der in seinem Betrieb nach anfänglichen Schwierigkeiten zahlreiche hochwertige Leichtbau-Projekte für seine Kunden realisiert hat – von Zimmerdecken, über Tische, Bettausbauten, Kücheneinrichtungen, Schränke, Garderoben oder Regale bis hin zu Treppen. Man setze Leichtbau nur dort ein, wo er sinnvoll sei, erklärte Hofer. Die Verarbeitung erfolge auf Standardmaschinen im Betrieb. Das geringe Materialgewicht biete einen wichtigen Zusatznutzen für die Handwerker: Die Leichtbau-Einzelteile ließen sich ohne Kran oder Lastenaufzug und mit weniger Personal sogar bis in die oberen Stockwerke tragen.

 

Drittes Symposium im Jahr 2014
Auch wenn die Landesförderung für die Leichtbauoffensive OWL Anfang 2013 ausläuft, wird das Engagement für den Leichtbau weiter gehen. Wie Projektleiter Prof. Martin Stosch ankündigte, wird es auch 2014 wieder ein großes Möbelleichtbau-Symposium geben: „Wir möchten Ihnen im Rahmen dieses kreativen und kommunikativen Forums weiterhin die neuesten Ideen und Entwicklungen vorwettbewerblich vorstellen. Eins ist sicher: Wir bleiben hart am Leichtbau!“

 

Die 31 Fachvorträge des Möbelleichtbau-Symposiums 2012 in der Übersicht:

 

1. Demografische Herausforderungen für die Möbelindustrie
Prof. Dr. Ralf E. Ulrich, Direktor des Instituts für Bevölkerungs‐ und Gesundheitsforschung an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld

 

2. Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft
als Motor der Region
Dr. Oliver Herrmann, Präsident der Hochschule Ostwestfalen‐Lippe

 

3. Die Rolle des Holzes im aufkommenden Rohstoffhunger – Holz zum Bauen, Brennen, Bekleiden oder Beschauen?
Prof. Dr. Udo Mantau, Institut für Ökonomie der Holz‐ und Forstwirtschaft,
Zentrum Holzwirtschaft der Universität Hamburg

 

4. Optimaler Materialeinsatz durch Wertanalyse – oft ist weniger eben mehr
Dipl.‐Ing. Sebastian Meindl, Krehl & Partner, Unternehmensberatung für Produkt + Technik GmbH & Co. KG, Karlsruhe

 

5. Ressourceneffizienz in der Möbelproduktion – ein Lei(ch)tfaden
Dipl.‐Ing. Torben Hellmann, Leichtbauoffensive OWL, FB 7, Hochschule Ostwestfalen‐Lippe, Lemgo

 

6. Einsparpotenziale bei der Verpackung von leichten Möbelteilen
Dr. Dennis Reinking, Vertriebsleiter Packsize GmbH, Bad Salzuflen

 

7. Ökologie der leichten Holzwerkstoffplatten – ein Vergleich
Dipl.‐Ing. Silke Feifel, M.Sc., Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS‐ZTS), Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlsruhe

 

8. Ökologie der leichten Holzwerkstoffplatten – ein Blick auf die Branche
Dr. Witold‐Roger Poganietz, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS‐ZTS), Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlsruhe

 

9. Ergebnisse der Delphistudie zur Leichtbaukonstruktion im Möbel‐ und Innenausbau
Dipl.‐Ing. Niels Kenter, Leichtbauoffensive OWL, FB 7, Hochschule Ostwestfalen‐Lippe, Lemgo

 

10. Hybridsysteme im automobilen Leichtbau
Prof. Dr. Thomas Tröster, Lehrstuhl für Leichtbau im Automobil, Universität Paderborn

 

11. Technologievorstellung eines innovativen Leichtbau‐Scharniers
Dipl.‐Ing. Angela Ries, Lehrstuhl Kunststofftechnik am Institut für Werkstofftechnik, Universität Kassel

 

12. Leichtbaukonstruktion bei Rotorblättern von Windkraftanlagen
Dipl.‐Ing. Alexander Hoffmann, Abteilungsleiter Rotorblattkonstruktion, Enercon GmbH, Aurich

 

13. Die neuen Dicken der Regalböden ‐ Konstruieren wir noch mit den richtigen Materialien?
Prof. Dipl.‐Ing. Torsten Leps, Fakultät Holztechnik und Bau, Hochschule Rosenheim

 

14. Einfluss von Leichtbaumöbeln auf den Möbelabsatz bis 2020
Winfried Titze, Unternehmensberatung Titze GmbH, Neuss

 

15. Neue Materialien ‐ Inspiration für innovative Produktgestaltung
Prof. i.V. Dipl.‐Des. Martin Beeh, Stiftungsprofessur der Küchenmeile A30 für Designmanagement, FB 7 – Produktion und Wirtschaft, Hochschule Ostwestfalen‐Lippe

 

16. Von Bucky Fuller lernen
Roland Nachtigäller, Künstlerischer Leiter des Marta Herford

 

17. Innovation und Produktivität durch Leichtbau
Dr. Lucas Heumann, Hauptgeschäftsführer der Verbände der Holz‐ und Möbelindustrie NRW in Herford, Mitglied des Vorstands igeL e.V.

 

18. Anwendung der Dascanova Holzwerkstoffe in der Möbelindustrie
Dr. Tomas Joscak, PHD., CEO Dascanova Technology, Wien (Österreich)

 

19. Verwendungsorientierte Entwicklung leichter Verbundwerkstoffe, insb. von Spanplatten auf Basis nachwachsender Rohstoffe mit breitem Anwendungsspektrum
Prof. Dr. Alireza Kharazipour, Universität Göttingen, Büsgen‐Institut,
Abt. Molekulare Holzbiotechnologie und Technische Mykologie, Georg‐August‐Universität, Göttingen

 

20. Mit Kaurit Light zum leichten Holzwerkstoff
Dr. Stephan Weinkötz, BASF SE Geschäftseinheit Leime & Tränkharze, Ludwigshafen

 

21. Weiterentwicklung der Wickeltechnologie zur Herstellung leichter Hülsen in Sandwichbauweise
Dipl.‐Ing. Curt Beck, Institut für Holz‐ und Papiertechnik, Technische Universität Dresden

 

22. Kettboard ‐ Das neue Leichtbaukonzept
Dipl.‐Betriebswirt Peter Kettler, Kettler Consulting & Engineering, Ense
23. Mechanische Eigenschaften exemplarischer Leichtbaumaterialien – Ergebnisse orientierender Werkstoffprüfungen
Dipl.‐Ing. Jens Lüskow, Leichtbauoffensive OWL (öffentlich gefördertes Projekt), Fachbereich 7 – Produktion und Wirtschaft, Hochschule Ostwestfalen‐Lippe, Lemgo

 

24. Erklärungsmodelle für das Tragverhalten von leichten Sandwichplatten mit Papierwabenkern
Prof. Dipl.‐Ing. Jens‐Uwe Schulz, Dipl.‐Ing. Matthias Kemper, Leichtbauoffensive OWL (öffentlich gefördertes Projekt), Fachbereich 1 – Architektur und Innenarchitektur, Hochschule Ostwestfalen‐Lippe, Detmold

 

25. Möbelfertigung leicht gemacht?!
Prof. Dr. Adrian Riegel, Constanze Kiwitt, B.Eng., Leichtbauoffensive OWL (öffentlich gefördertes Projekt), Fachbereich 7 – Produktion und Wirtschaft,
Hochschule Ostwestfalen‐Lippe, Lemgo

 

26. Spanende Bearbeitung von leichten Holzwerkstoffen – darauf kommt es an
Dipl.‐Ing. Oliver Galli, Forschung und Entwicklung, Leuco ‐ Ledermann GmbH & Co. KG, Horb am Neckar

 

27. Anforderungen an die Verfahrenstechnik bei der Bearbeitung
von leichten Holzwerkstoffen
Dipl.‐Ing. Franz‐Georg Jüttner, Projektleiter Homag Engineering, Homag Holzbearbeitungssysteme GmbH, Schopfloch

 

28. Green Production ‐ Nachhaltige Klebstoffanwendungen im Leichtbau
Dr. Christian Terfloth, Vorstand der Jowat AG, Detmold

 

29. Leichtbau in der beruflichen Fortbildung für Tischler/Tischlerinnen ‐ Ansätze und Erfahrungen aus der Meisterschule Ebern für das Schreinerhandwerk
Dr. habil. Oliver Dünisch, Schulleiter der Meisterschule für das Schreinerhandwerk Ebern

 

30. Unser Zugang und erfolgreiche Leichtbauanwendungen
im handwerklichen Innenausbau
Tischlermeister Sepp Hofer, Geschäftsführer der Sepp Hofer Tischlerei und Möbelhandel GmbH, Oberndorf in Tirol (Österreich)

 

31. Entwicklung und Umsetzung der Studiomöbel des ZDF-heute-Studios
Quirin Seifert, Geschäftsführender Gesellschafter Gecco Scene Construction Company GmbH, Frechen

 

Die Vortragsunterlagen werden in Kürze für die Symposiums-Teilnehmer zum Download zur Verfügung stehen:
http://www.igel-ev.net/de/leichtbauoffensive_owl/

 

Leichtbauoffensive OWL
Das Projekt „Leichtbauoffensive OWL“ wird gefördert durch die Europäische Union (EFRE) und das MWEBWV des Landes NRW (Ziel2-Programm). Europa – Investition in unsere Zukunft

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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m.press@press-medien.de
www.press-medien.de

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