Erwartungen treiben das ifo-Geschäftsklima

Durch eine erneut deutliche Zunahme der Geschäftserwartungen bei den Unternehmen hat sich das ifo-Geschäftsklima im Oktober weiter aufgehellt. Damit sendet es ein klares Wachstumssignal. Die beständige Stimmungsverbesserung 2016 hat sich bisher aber kaum in die realen Daten übertragen. Wir erwarten, dass dies auch weiterhin so bleiben wird.

Der ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland ist im Oktober um 1,0 auf 110,5 Punkte gestiegen. Maßgeblich hierfür waren vor allem die Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen, die sich gegenüber dem Vormonat um 1,6 Punkte verbessert haben (September: +4,4). Auf hohem Niveau wird die aktuelle Geschäftslage zudem als unverändert gut bewertet (+0,3 Punkte). Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und im Bausektor hat sich die Stimmung aufgehellt.

Der Anstieg des Geschäftsklimaindex auf hohem Niveau ist nach der kräftigen Stimmungsaufhellung im September bemerkenswert. Der Index liegt nun nicht nur über seinen hohen Werten für Juli und August, er befindet sich überdies auf dem höchsten Niveau seit Februar 2014. Auch mit Blick darauf, dass der Index seinen 10-Jahresdurchschnitt derzeit um markante 4,8 Punkte übersteigt, geht vom Geschäftsklima ein klares Wachstumssignal aus.

Eine freundliche Stimmung ist zwar eine gute Voraussetzung, letztlich aber kein Garant für ein höheres Produktionswachstum. Dies gilt aus unserer Sicht vor allem dann, wenn diese überwiegend auf verbesserten Erwartungen beruht. So zeigt sich mit Blick auf die harten Konjunkturdaten: Die Stimmungsaufhellung in diesem Jahr hat sich bisher nur wenig in die realen Daten übertragen. So lag der Auftragseingang in der Industrie bis August nur 0,6% über seinem Vorjahresdurchschnitt (Gesamtjahr 2015: 1,0%). Bei der Produktion im Produzierenden Gewerbe beträgt der Anstieg bis dato 1,0% (Gesamtjahr 2015: 0,5%). Da ihre guten Ergebnisse für August wohl auch auf Verzerrungen durch die Sommerferien basieren, dürften beide Indikatoren auf kurze Sicht daher bereits zur Schwäche neigen. Von ihren guten Jahresergebnissen Mitte der 2000er Jahre bleiben sie wohl auch 2016 weit entfernt.

Wir erwarten zudem, dass die gute Stimmung schon auf kurze Sicht Schrammen erhalten wird. Hierfür spricht vor allem, dass die Weltwirtschaft weiter nur verhalten wachsen wird. Die anhaltend hohen (geo-)politischen Spannungen und der zunehmende Protektionismus tragen ihr Übriges dazu bei. Damit sind dem Wachstum der Exportwirtschaft bereits heute Grenzen gesetzt. Insofern dürfte sich das Umfeld für die Produktion bis auf Weiteres nicht nennenswert bessern. Wachstum ja, aber nicht überschäumend, lautet die Losung. Für das BIP-Wachstum bedeutet dies, dass es weiter lediglich moderaten Rückenwind von der Industrie erhalten wird.

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