Die Ostseepipeline ist komplett betriebsbereit

Die Ostseepipeline ist komplett betriebsbereit Zug (dapd). Durch die Glasfassade in der fünften Etage der Nord Stream-Zentrale bietet sich dem Besucher ein toller Ausblick über die beschauliche Kantonstadt Zug. Doch Chefinspektor Oleg Zakharov hat für die Skyline des Schweizer Steuerparadieses keinen Blick. Sein Interesse gilt einem zwei mal sechs Meter großen Großbildschirm, auf dem beständig Zahlen, Diagrammkurven und Überwachungsbilder flackern. „Von hier aus steuern wir den Gasfluss durch die neue Ostseepipeline“, sagt der 49-jährige Russe. Rund 2.400 Kilometer vom Einspeisepunkt Wyborg an der russischen Ostseeküste und über 1.100 Kilometer vom deutschen Anlandepunkt in Lubmin entfernt bereiten Zakharov und sein Team die Inbetriebnahme des zweiten Pipeline-Stranges vor. Die Leitung, die fast so lang ist wie der Rhein, wird schon jetzt mit Gas geflutet. Zakharov tippt auf eine Grafik auf einem der 17 Flachbildschirme: „In Lubmin liegt momentan schon ein Gasdruck von 76 Bar an“, sagt er. Bis zur offiziellen Inbetriebnahme in wenige Tagen soll er auf etwa 110 Bar steigen, so viel wie im Zwillingsstrang, durch den seit November 2011 etwa 8,5 Milliarden Kubikmeter sibirisches Erdgas nach Deutschland geflossen sind. Nicht allein aus steuerlichen Gründen habe das internationale Konsortium seinen Sitz in die Schweiz verlegt, versichert Firmensprecher Jens Müller. Schon bei der Konzerngründung habe man sich darauf verständigt, das Kontrollzentrum weder in einem der Ostsee-Anrainerstaaten noch in einem der Shareholder-Länder Russland, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zu etablieren. Zweites Kontrollzentrum an geheimem unterirdischen Ort Über Satellitenverbindungen und Datenleitungen treffen in Zug rund um die Uhr sämtliche Informationen über den Betriebszustand der Gastrasse ein. Von hier aus werden die Gasströme überwacht und Wartungsarbeiten gesteuert. Mehrere, jeweils autarke Systeme sollen einen Ausfall verhindern. Für den Notfall gebe es sogar ein zweites vollkommen identisches Kontrollzentrum, sagt der Technische Direktor Vladimir Borovnik und zeigt auf einen Monitor mit einem Live-Kamerabild einer menschenleeren Steuerzentrale. Sie befinde sich aus Sicherheitsgründen an einem geheimen unterirdischen Ort irgendwo in der Stadt. Mit der offiziellen Inbetriebnahme des zweiten Pipelinestrangs am 8. Oktober wird der Bau des 7,4 Milliarden Euro teuren Energievorhabens etwa drei Wochen früher als ursprünglich geplant abgeschlossen sein. Die Gastrasse quer durch die Ostsee sei von der Länge, aber auch vom Leistungsdurchmesser das weltweit größte Offshore-Pipeline-Projekt, sagt Nord Stream-Finanzchef Paul Corcoran. Mit einer Kapazität von bis zu 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr, ausreichend für etwa 26 Millionen Haushalte, werde die Ostseepipeline zu einer der wichtigsten Trassen zur Gasversorgung Europas. Die damit erzeugbare Strommenge entspreche in etwa der Kapazität von 33 Durchschnitts-Kernkraftwerken. Ihre erste Bewährungsprobe habe die Ostseepipeline übrigens schon im Sommer dieses Jahres bestanden, als die durch Weißrussland und Polen führende Jamal-Leitung wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet worden sei und der Ostseestrang auf 65 Prozent seiner Kapazität heraufgefahren worden sei. Momentan liegt die Auslastung nur bei 34 Prozent, aber mit dem höheren Winterbedarf könnte sich das bald ändern. Weil die Gasreserven im Nordseeraum schwinden und der europäische Gasnachfrage weiter steigen wird, prüft Nord Stream inzwischen Pläne für den Bau einer dritten und vierte Gasröhre durch die Ostsee. Bis zum Jahresende soll eine Machbarkeitsstudie vorgelegt werden. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

m.press@press-medien.de
www.press-medien.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.