DFB will Fußball-EM und Fall Timoschenko nicht vermengen

Leipzig (dapd). Der DFB fordert ein Ende der Debatte über einen Boykott oder die Verlegung der Fußball- Europameisterschaft vor dem Hintergrund der ukrainischen Oppositionellen Julia Timoschenko. Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema „Euro 2012 – Chancen eines Medienereignisses“ beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig kritisierte der Sprecher des Deutschen Fußballbundes, Ralf Köttker, die Debatte als“ Medienhysterie“.

Die Forderung eines politischen „Hinterbänklers“, die Spiele nach Deutschland zu verlegen, sei reiner Populismus und völlig illusionär, sagte Köttker. Er hoffe, dass diese unsinnige Debatte als Strohfeuer wieder vorbeigehe. Er hoffe dies aber nicht für die „Kerndebatte über Menschenrechte“. Die Sportchefin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Sylvia Peuker, sagte, eine so intensive und heftige Diskussion wie in Deutschland gebe es über dieses Thema in anderen Ländern nicht. Nach ihrer Ansicht kann der Sport das politische Problem nicht lösen.

Der Presseattaché der ukrainischen Botschaft in Berlin, Dmytro Shevchenko, sagte, für ihn persönlich seien die Schlagzeilen über Timoschenko überraschend gewesen, weil sie schon länger ein Medienthema sei. Er kritisierte, in den deutschen Medien werde jetzt alles, auch die Explosion in der Stadt Dnipropetrowsk, mit Timoschenko verbunden.

Der polnische Fernsehjournalist Marek Szkolnikowski meinte, vielleicht habe Timoschenko mit ihrer Aktion auf das Ereignis der Fußball-EM gewartet. „Aber genau so könnte man sagen: Warum hat Frau Merkel jetzt reagiert und nicht schon vor Wochen?“ In Polen sei eine Verlegung der EM nach Deutschland kein Thema, sagte er. Polen verstehe die EM als große Herausforderung. „Wir werden gegen Stereotype, gegen Vorurteile kämpfen“, sagte der Journalist. 30 Tage vor der EM werde man keinen Polen mehr finden., der sage, die Investitionen für das Ereignis seien Geldverschwendung.

Auch die einfachen Menschen in der Ukraine freuten sich darauf, solch ein internationales Event erleben zu können, sagte Shevchenko. Die dafür gebauten Straßen und der Flughafenausbau kämen allen zugute, betonte er. Er stimmte dem Boxer Vitali Klitschko zu, dass die EM einen „Zivilisationssprung“ biete. Angesprochen auf die lockere Präsentation der Fußball-WM 2006 in Deutschland sagte er: „In der Ukraine ist es noch gar nicht locker. Aber die Freude der Menschen ist in der Luft.“

Der DFB sei sehr froh, dass über Missstände in der Ukraine berichtet werde, sagte Köttker. Die EM biete auch eine Riesenchance, dass die zahlreichen ausländischen Journalisten über die Verhältnisse dort berichteten. Auch der DFB werde über eigene Kanäle andere Themen zu platzieren versuchen.

Szkolnikowski sagte: „Ich muss gestehen, dass auch für uns die Ukraine ein Rätsel ist.“ Die Polen wüssten nicht viel über die Nachbarn. Er sei schockiert gewesen, als ukrainische Teilnehmer bei einem Freundschaftsspiel in Polen nicht auf Russisch angesprochen werden wollten. Der ukrainische Presseattaché erklärte, man müsse unterscheiden zwischen den russischen und den russischsprachigen Teilen der Bevölkerung. Die Russischsprachigen neigten nicht unbedingt auch zu Russland. Die Ukraine blicke schon immer vor allem in Richtung Westen: „Das ist für uns Polen.“ Polen werde als gutes Beispiel gelungener Integration in Europa angesehen.

Die deutschen Fußballer bekommen, wie Köttker betonte, keinerlei Vorgaben: „Wie sie ihre Meinung äußern, steht ihnen völlig frei.“ Der DFB stelle ihnen aber immer Informationen über das Land zur Verfügung. Im Zusammenhang mit der EM sei ein Besuch in Auschwitz mit einer Pressedelegation geplant. „Vielleicht wird der eine oder andere Spieler dabei sein“, sagte Köttkr. „Wir wollen nicht, dass es zu einem Medienereignis verkommt. Es muss ein stilles Gedenken sein.“

Der Fußball sei immer der Sport Nummer eins in Polen gewesen, sagte Szkolnikowski. „Jetzt wird es zum Nationalsport. Alle Polen sind jetzt Fußballer, dank Euro 2012.“

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

m.press@press-medien.de
www.press-medien.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.