Deponie Hellsiek in Detmold mit Sonnenkraftwerk

Südlicher Bereich der Deponie mit teilweise bereits fertiggestellten Bereichen.
Südlicher Bereich der Deponie mit teilweise bereits fertiggestellten Bereichen. Am Rand des Deponiekörpers wurden Betonfundamente anstatt Rammpfosten als Tragwerk für die Dachkonstruktion verwendet. Foto: Abfallbeseitigungs-GmbH Lippe

Detmold. Jede Abfalldeponie benötigt eine gesetzlich vorgeschriebene Abdichtung, um Sickerwasser zu minimieren. Im Kreis Lippe hat die Abfallbeseitigungs-GmbH Lippe mit ihren Partnern nun zum zweiten Mal einen zukunftsweisenden Weg eingeschlagen: Die Deponie Hellsiek in Detmold wird seit neuestem von einem Sonnenkraftwerk bedeckt. Damit versorgt sie rechnerisch fast 2.000 Vier-Personen-Haushalte mit regenerativ erzeugtem Strom.

Die in Detmold realisierte Kombination von einer Deponieabdichtung mit einer Photovoltaikanlage ist modellhaft für Deutschland, auch wenn zu Beginn die Behörden erst einmal überzeugt werden mussten. Mit 37.004 Solarpanelen, 111 Wechselrichtern und 66.000 Quadratmetern Trapezblech auf vier Hektar Fläche, realisierte die Solar-Firma Goldbeck im Herbst 2016 diese eine technische Herausforderung.

Die erwartete eingespeiste Strommenge berechneten die Ingenieure auf jährlich 8.000 MWh. Die Anlage soll sich nach nur 20 Jahren selbst finanziert haben. Nie zuvor ist außerhalb von Lippe eine Freiflächen-PV-Anlage in Deutschland auf einer nicht endabgedeckten Deponie errichtet worden. „Warum passiert das nicht überall?“, fragt sich nun Berthold Lockstedt, der Geschäftsführer der Abfallbeseitigungs-GmbH Lippe.

Ein Durchbruch in der Genehmigungsgeschichte

Normalerweise wird eine Deponie mit Schichten aus Schotter, Sand und Kunststoffdichtungsbahn belegt, um Sickerwasser zu minimieren. „Eine Sondergenehmigung war nur möglich, weil das mit Solarmodulen belegte Trapezdach außerdem Strom erzeugt“, erläutert Berthold Lockstedt, der ehemalige Geschäftsführer der Photovoltaik Deponie Dörentrup GmbH & Co. KG. Der Projektpartner spricht von einem „Durchbruch in der Genehmigungsgeschichte. Es würde mich sehr freuen, wenn solche Projekte auch in anderen Bundesländern umgesetzt werden.“

Deponiedach erzeugt Strom für fast 2.000 Haushalte im Jahr

„Eine landschafts- und naturverträgliche Variante zur Versorgung des Kreises Lippe mit regenerativ erzeugtem Strom“, urteilt Björn Lamprecht, Geschäftsführer des Errichters Goldbeck Solar. Die erwartete eingespeiste Strommenge berechneten seine Ingenieure auf jährlich 8.000 MWh, wodurch rechnerisch fast 2.000 Vier-Personen-Haushalte mit regenerativ erzeugtem Strom versorgt werden. Ebenfalls besonders ist, dass mit der Abdeckung 100 Prozent der Niederschläge, die auf das Dach treffen, als sauberes Regenwasser abgeleitet werden können. So muss dieses nicht mehr aufwändig und kostenintensiv als Deponiesickerwasser gereinigt werden.

Beim bereits seit 2011 bestehenden Schwesterprojekt Dörentrup halbierten sich durch das Solardach die Klärkosten. „Das schont die Umwelt und spart Geld“, fasst Lamprecht zusammen. Für die neun Millionen Euro Investitionssumme legten die Stadtwerke Detmold GmbH die Photovoltaik Deponie Dörentrup GmbH & Co. KG in mehreren Bau- und Auftragsabschnitten zusammen. Die Lippe Energie Verwaltungs-GmbH, eine Gesellschaft, bestehend aus dem Kreis Lippe und den drei lokalen Energieversorger Stadtwerke Bad Salzuflen GmbH, Stadtwerke Detmold GmbH und Stadtwerke Lemgo GmbH, betreut das Konzept. Insgesamt konnte man 15 der 16 lippischen Kommunen sowie den Kreis Lippe als Gesellschafter für die Photovoltaik Deponie Dörentrup GmbH & Co. KG gewinnen. Somit verbleibt die Wertschöpfung vollständig in der Region.

www.energieagentur.nrw

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

Die WIR-Redaktion freut sich auch auf Ihre Pressemitteilungen. Sprechen Sie uns an unter +49 5231 98100 0 oder per mail an redaktion@wirtschaft-regional.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.