Beschäftigten bleibt wegen Konjunkturflaute weniger Lohn übrig

Beschäftigten bleibt wegen Konjunkturflaute weniger Lohn übrig Düsseldorf (dapd). Auch die Beschäftigten in Deutschland könnten die Folgen der Euro-Krise bald auf ihren Gehaltszetteln ablesen. Bereits jetzt zahlen die Arbeitnehmer in vielen europäischen Nachbarländern in Form von Reallohneinbußen einen Teil der Zeche für die anhaltende europäische Schuldenkrise. Zu diesem Ergebnis kommt die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Laut dem Europäischen Tarifbericht des stiftungseigenen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) sinken die Reallöhne in diesem Jahr in 16 von 27 EU-Staaten. Somit verbleibt den Arbeitnehmern in annähernd zwei von drei EU-Ländern nach Abzug der Preissteigerung weniger Geld im Portemonnaie als früher. Besonders dramatisch ist die Lohnentwicklung demnach in Südeuropa: 2012 müssen die Arbeitnehmer in Griechenland voraussichtlich einen Reallohnverlust von 7,5 Prozent hinnehmen. Den Portugiesen bleibt preisbereinigt 6,1 Prozent weniger Lohn. Für das WSI ist das nicht nur eine Momentaufnahme. Im Gegenteil: Die Tarifexperten sprechen sogar von einer Trendwende. In der Folge der Weltwirtschaftskrise 2009 habe sich das „lohnpolitische Entwicklungsmuster in Europa grundlegend verändert“, heißt es in dem Bericht. „Reallohnverluste werden zum dominierenden Trend“ Fortan müssen sich die Menschen demnach auf eine Arbeitswelt einstellen, in der „Reallohnverluste zum dominierenden Trend werden“, warnt das WSI. Erschwert würden die Tarifverhandlungen von morgen durch die Situation auf dem Arbeitsmarkt. „In vielen europäischen Ländern wird derzeit die Position der Gewerkschaften durch eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit geschwächt“, heißt es in dem Bericht. Deutschland, das entgegen dem Trend gute Arbeitsmarktzahlen vorweisen kann, steht auch in Sachen Lohnentwicklung im europäischen Vergleich allerdings noch relativ gut da. Der Studie zufolge gehört die Bundesrepublik „zu den wenigen EU-Ländern, deren Beschäftigte seit 2010 zumindest keine Lohnverluste hinnehmen mussten“. Nach Berechnungen des WSI-Tarifexperten Thorsten Schulten dürften die Reallöhne in der Bundesrepublik zwischen 2010 und Ende 2012 insgesamt um knapp zwei Prozent zunehmen. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum dürften sie laut der Prognose in Griechenland um rund 20 Prozent, in Portugal um gut zehn Prozent und in Spanien um knapp sechs Prozent sinken. Grund zum Aufatmen ist das nach Ansicht des WSI-Experten allerdings auch aus deutscher Sicht nicht. „Mit der Unterordnung der Lohnpolitik unter die Wettbewerbspolitik droht eine allgemeine Absenkungsspirale, die die ökonomische Krise und Stagnation in Europa weiter verschärft“, warnt der Verfasser der Studie. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

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Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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