Arbeitsmarkt saisontypisch – mit gesetzlichen Neuerungen und ihren Auswirkungen

Im Dezember waren im Bezirk der Arbeitsagentur Bielefeld 24.840 Personen ohne Arbeit. Damit stieg die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat um 6,1 Prozent oder 1.429 Personen. Gegenüber Januar 2016 fiel die Zahl der Arbeitslosen um 1.596 (minus 6,0 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg in der Region um 0,4 auf 6,6 Prozent. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 7,2 Prozent.

Agenturchef Thomas Richter überrascht der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Januar nicht: „Das Weihnachtsgeschäft liegt hinter uns, die kalte Witterung ist im Januar geblieben: Saisontypisch hat sich ein Aufschwung bisher nicht abgezeichnet.“ Er weist auf einen marktunabhängigen Aspekt hin:

Die Übernahme der sogenannten „Aufstocker“ durch die Arbeitsagenturen. Aufstocker sind erwerbstätige Leistungsempfänger: Dieser Personenkreis stockt Einkommen durch den Bezug von Arbeitslosengeld II auf oder ergänzt Sozialleistungen durch ein geringfügiges Erwerbseinkommen. Seit Jahresbeginn werden diese Kunden nicht mehr von den Jobcentern, sondern durch die Arbeitsagenturen betreut.

“Diese Umstellung hat sich zuungsten auf die Arbeitsgenturstatistik gegenüber den Jobcenterzahlen ausgewirkt,“ erklärt Richter. „Bezogen auf den Arbeitsmarkt an sich, erkennen wir jedoch, dass die Arbeitslosenzahlen im Jahresvergleich zurückgegangen sind. Und Bewegung wird sichtbar: 4.941 Menschen meldeten sich im Januar neu arbeitslos, 3.517 beendeten ihre Arbeitslosigkeit. 1.567 neu gemeldete Stellen bieten neue Chancen – dies erwarten wir auch bald von der Witterung.“

Insgesamt 5.416 Arbeitsstellen wurden Ende Januar im Bestand der Agentur geführt, 296 Stellen mehr als im Vormonat (plus 5,8 Prozent); auch im Vergleich zum Vorjahr stieg der Bestand im Januar um 518 Stellen (plus 10,6 Prozent).

Im Januar waren 4.941 Zugänge in und 3.517 Abgänge aus der Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk zu verzeichnen. Im Vormonatsvergleich beendeten 21,2 Prozent weniger Menschen ihre Arbeitslosigkeit (minus 949 Personen). Zugleich nahm die Zahl derjenigen, die arbeitslos wurden, zwischen Dezember und Januar um 396 Menschen zu (plus 8,7 Prozent). Im Jahresvergleich gingen weniger Menschen aus der Arbeitslosigkeit (minus 186 Personen); aber auch der Zugang in die Arbeitslosigkeit fiel im Jahresvergleich niedriger aus (minus 215 Personen).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit getrennt nach Rechtskreisen

Von den 24.840 Arbeitslosen des Agenturbezirks Bielefeld wurden im Dezember 8.369 durch die Agentur für Arbeit (Rechtskreis Sozialgesetzbuch III) betreut. Die Arbeitslosenzahl im Bereich SGB III stieg damit in den vergangenen Wochen um 1.546 oder 22,7 Prozent. Die Vorjahreszahl wird mit diesem Ergebnis um 518 Personen oder 6,6 Prozent überschritten.

Im Bereich der Grundsicherung (Rechtskreis Sozialgesetzbuch II), also bei den Jobcentern in der Region, sank die Zahl um 0,7 Prozent; das entspricht einer Abnahme um 117 Arbeitslose. Insgesamt waren hier 16.471 Arbeitslose gemeldet: 2.114 oder 11,4 Prozent weniger als im Januar 2016. 66,3 Prozent der Arbeitslosen fallen in den Bereich der Grundsicherung.

Personengruppen

Im Jahresvergleich sank die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren; beim Vormonatsvergleich von Dezember 2016 auf Januar 2017 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 170 Personen oder 7,4 Prozent und liegt jetzt bei 2.481. Die Arbeitslosenquote in dieser Altersklasse stieg im Vergleich zum Vormonat auf 5,7 Prozent (5,3 im Vormonat; 6,1 im Januar 2016).

Eine ähnliche Entwicklung wurde in der Gruppe 50 Jahre und älter deutlich: Auch hier nahm die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat zu: 367 Personen oder 5,4 Prozent mehr waren im Vergleich zum Dezember 2016 arbeitslos gemeldet, 7.161 Personen dieser Altersgruppe waren im Januar 2016 arbeitslos; die Januarzahl des Vorjahres wurde jedoch um 319 Personen unterschritten (minus 4,3 Prozent). Bei den Älteren liegt die aktuelle Arbeitslosenquote bei 6,2 Prozent (Vormonat: 5,8 Prozent) und damit 0,5 Prozentpunkte unter dem Wert für Januar 2016 (6,7 Prozent).

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat im Vergleich zum Vormonat um 178 (plus 1,9 Prozent) abgenommen. Im Januar waren 9.660 Menschen länger als ein Jahr ohne Arbeit; der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der gesamten Arbeitslosigkeit liegt somit bei 38,9 Prozent.

Die Zahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen ausländischer Herkunft erhöhte sich um 502 (plus 6,2 Prozent) auf 8.561. Im Vergleich zu Januar 2016 ergibt sich eine Zunahme von 140 Personen oder 1,7 Prozent.

„Die Arbeitslosikgeit unter Ausländern ist sowohl im Vergleich zum letzten Monat als auch zum Januar 2016 gestiegen, obwohl die Arbeitslosenzahlen nur zum Vorjahr insgesamt zurückgegangen sind. Wir hoffen, dass im fortschreitenden Quartal, Spracherwerb und betrtiebsvorbereitende Maßnahmen den Arbeitsmarkt für Geflüchtete weiter öffnen werden. Wir bleiben gemeinsam dran,“ erinnert Richter an die Gemeinschaftsaufgabe der Arbeitsmarktpartner im Agenturbezirk.

Regionaldaten

Stadt Bielefeld

In der Stadt Bielefeld stieg die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Dezember um 769 (plus 5,4 Prozent) auf 15.102. Im Vorjahresvergleich entspricht das jedoch einem deutlichen Rückgang von 7,4 Prozent. Aktuell entfallen auf die Agentur für Arbeit Bielefeld 4.051 Arbeitslose (plus 863 oder 27,1 Prozent) und auf das Jobcenter Bielefeld 11.051 (minus 94 oder 0,8 Prozent).

Im Vergleich zum Vorjahr waren im Bereich der Agentur für Arbeit im Januar 2016 347 Menschen mehr arbeitslos (plus 9,4 Prozent). Im Bereich des Jobcenters Arbeitplus sank die Zahl im Laufe des vergangenen Jahres um 1.546 Personen oder 12,3 Prozent.

Die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat stieg um 0,5 Prozent und liegt aktuell bei 8,8 Prozent. Im Januar 2016 waren es 9,6 Prozent.

Kreis Gütersloh

Im Kreis Gütersloh stieg die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat auf 9.738 Personen. Es gab hier 660 Arbeitslose mehr als im Dezember (plus 7,3 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich die Arbeitslosigkeit jedoch um 397 Personen, bzw. 3,9 Prozent.

Von den 9.738 Arbeitslosen entfallen 4.318 auf die Agentur für Arbeit (plus 683 oder 18,8 Prozent gegenüber Dezember und auf das Jobcenter Kreis Gütersloh 5.420 (minus 23 oder 0,4 Prozent gegenüber Dezember). Im Vorjahresvergleich sind im Versicherungsbereich (SGB III) 171 Arbeitslose mehr (plus 4,1 Prozent) registriert, im Bereich der Grundsicherung gibt es aktuell 568 Arbeitslose weniger (minus 9,5 Prozent) als vor Jahresfrist. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Arbeitslosenquote im Kreis Gütersloh um 0,3 auf 4,8 Prozent. Im Januar des Vorjahres waren es noch 5,1 Prozent.

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe

Im Januar waren 68.560 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 6,9 Prozent mehr als im Vormonat. Vor einem Jahr waren allerdings 4,0 Prozent oder über 2.800 Menschen mehr ohne Arbeit. Der durchaus saisontypische Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar und der deutliche Rückgang in der saisonbereinigten Betrachtung, verweisen auf die derzeit gute Lage am Arbeitsmarkt in unserer Region.

Die Arbeitslosenquote in der Region stieg auf 6,2 Prozent. Das entspricht einer Verschlechterung um 0,4 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat und liegt gleichzeitig 0,4 Prozentpunkte unter dem Ergebnis des Januars 2016. Die Arbeitslosigkeit stieg im Vormonatsvergleich in fast allen Personengruppen an. Besonders betroffen waren Ausländer, ältere Menschen und Langzeitarbeitslose. Zugleich kam es durch die gesetztliche Änderung bei der Betreung der sogenannten „Aufstocker“ zu anteilsmäßigen Verschiebungen zwischen den Rechtskreisen. Da ab Januar 2017 nicht mehr die Jobcenter der Region für diesen Personenkreis zuständig sind, sondern die Arbeitsagenturen, kam es zu einer Abnahme der Arbeitslosigkeit in der Grundsicherung zuungunsten der Zahl der im Versicherungsbereich registrierten Personen. Dabei ist die Größe des Effekts aktuell noch nicht adäquat zu erfassen.

Aber auch die saisonbereinigte Betrachtung wirft, trotz der allgemein guten Entwicklung gegenüber dem Vorjahr, eine Schattenseite am Arbeitsmarkt auf. Diese betrifft primär die Zahl der ausländischen Arbeitslosen, die nicht nur im Vergleich zum Vormonat, sondern auch zum Januar 2016 weiter deutlich zugenommen hat. Dies verweist einmal mehr auf eine sich abzeichnende Entkoppelung auf dem Arbeitsmarkt. Während die allgemeine Arbeitslosigkeit im Jahresrückblick immer weiter gesunken ist, stieg die unter der ausländischen Bevölkerung fast kontinuierlich an. Die Ursache dafür ist eindeutig in dem statistischen Einfluss der Fluchtmigration zu finden. Aktuell sind gegenüber Januar 2016 2.001 ausländische Arbeitslose mehr in Ostwestfalen-Lippe gemeldet. Dies entspricht einer Gesamtzahl von 18.683 Personen.

Die günstigsten Arbeitslosenquoten in OWL weisen nach wie vor die Bezirke Herford und Paderborn (5,5 und 5,8 Prozent) auf. Aber auch Bielefeld (6,6 Prozent) und Detmold (7,1 Prozent) liegen weiterhin günstiger als der NRW-Durchschnitt von 7,7 Prozent.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften sank saisontypisch leicht ab, blieb in OWL aber noch immer auf hohem Niveau. 4.700 Arbeitsangebote wurden im Laufe des Januars von Betrieben und Verwaltungen gemeldet, mehr als im Januar 2016 (+ 151). In der Region sind bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern insgesamt 16.637 freie Arbeitsstellen gemeldet, 2.208 oder gut 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

www.arbeitsagentur.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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