Arbeitnehmerfreizügigkeit beschert nur geringe Zuwanderung

Nürnberg (dapd). Die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit zum 1. Mai hat 2011 nur für einen moderaten Zustrom von Arbeitssuchenden aus Mittel- und Osteuropa gesorgt. Bis zum Jahresende seien lediglich 79.000 Menschen aus den acht neuen EU-Mitgliedsstaaten nach Deutschland zum Arbeiten gekommen, gab das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Freitag bekannt. Diese eher geringe Zahl ist nach Einschätzung von IAB-Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker vor allem auf Sprachbarrieren und Unterschiede in den Ausbildungs- und Bildungssystemen zurückzuführen.

Daran wird seiner Auffassung nach auch das neue Anerkennungsgesetz nichts ändern. “Wir rechnen für 2012 sogar mit noch weniger Zuwanderern”, sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Denn auch wenn die Bildungsabschlüsse ausländischer Arbeitssuchender künftig rascher geprüft würden, heiße das nicht, dass sie deswegen auch anerkannt würden. In den meisten Fällen seien ausländische und deutsche Qualifikationen nicht miteinander vergleichbar. Brücker geht daher davon aus, dass viele der 79.000 Zuwanderer einen Hochschulabschluss vorweisen können und hierzulande unter ihren Qualifikationen arbeiten.

Insgesamt stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten aus den acht neuen EU-Staaten um 82.000. Die Differenz zeige, dass auch Personen aus diesen Ländern, die bereits vor dem 1. Mai in Deutschland lebten, die neue Regelung zur Arbeitsaufnahme genutzt hätten, erklärte Brücker.

Die meisten Zuwanderer verzeichneten Bayern (plus 20.600), Baden-Württemberg (11.700) und Nordrhein-Westfalen (14.800). Die zusätzliche Beschäftigung konzentrierte sich den Angaben nach auf die Zeitarbeit (plus 14.200), das Baugewerbe (11.000) und das Verarbeitende Gewerbe (10.500). Auf den Gesundheitssektor entfielen nur 4.600 Personen. Die Zahl der Arbeitslosen aus den acht neuen Ländern blieb nahezu konstant.

Die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt seit dem 1. Mai 2011 für Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn.

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Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis. Seid dem Jahr 2000 ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur. Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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